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SPD schlägt CDU und AfD : Rote Welle im Nordosten

Hat gut Lachen: Marcel Falk (SPD), ehrenamtlicher Buergermeister von Stolpe an der Peene Bild: Andreas Pein

Sogar das ländliche Vorpommern wählt nun SPD. Das freut Marcel Falk. Er hat der AfD ein Direktmandat abgejagt – und von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig profitiert.

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          Marcel Falk wollte lange feiern, egal ob er seinen Wahlkreis in Vorpommern für die SPD gewinnt oder nicht. Deshalb hatte er schon vor der Wahl vorgeschlagen, sich am Montag erst mittags zu treffen. Zum Gutshof Liepen bei Anklam, ganz im Osten des Landes, kommt er dann nicht nur als Wahlkämpfer, sondern als Wahlsieger. Die Feier ging bis drei Uhr nachts. Mit 28,2 Prozent hat Falk den Wahlkreis 29, Vorpommern-Greifswald II gewonnen, der 2016 noch an die AfD gegangen war. „Das ist schon eine innere Freude, wenn der eigene Einsatz belohnt wird“, sagt er. Die Leute hätten ihn gewählt, weil sie wüssten, dass er vor Ort etwas bewege. „Und Manuela Schwesig hat schon stark gezogen.“

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.
          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Die amtierende und künftige Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern hat ihre SPD am Sonntag zu einem klaren Wahlsieg geführt. Die Sozialdemokraten kamen auf 39,6 Prozent der Stimmen. Das zweitbeste Ergebnis überhaupt. Der Triumph ist so umfassend, dass die Sozialdemokraten sogar im ländlichen Vorpommern auf einmal zur stärksten Kraft aufgestiegen sind. Lange war hier alles schwarz, die CDU holte hier stets ihre besten Ergebnisse. Dann machte bei der Landtagswahl 2016 die AfD der CDU Konkurrenz und gewann in Vorpommern gleich drei Direktmandate. In den folgenden Jahren schien die CDU so stark mit sich und der AfD beschäftigt zu sein, dass sie kaum mitbekommen hat, wie die SPD an ihr vorbeigezogen ist. Nun ist die Wahlkreiskarte nicht nur für Mecklenburg rot gefärbt, sondern auch für Vorpommern. Von 36 Wahlkreisen im ganzen Land konnte die SPD 34 gewinnen – nur einer ging an die CDU und einer an die AfD.

          „Ich bin auch angetreten, um was gegen die braune Suppe zu machen“, sagt Falk. Die AfD könne hier in Vorpommern immer noch all jene mobilisieren, die Existenzängste hätten oder mit Missgunst auf die etablierten Parteien blickten. Aber der Direktkandidat der AfD, Jens Schulze-Wiehenbrauk, sei im Landtagswahlkampf ein Unbekannter geblieben. „Kein Mensch kennt diesen Typen.“

          Gegen den Eintritt in eine Partei hatte Falk sich lange gewehrt. 2016 trat er bei der Landtagswahl als Parteiloser für die Linkspartei an. „Um den CDU-Kandidaten abzusägen. Der hat nichts für die Region gemacht“, sagt Falk. Er scheint das für eines der schlimmsten Versäumnisse von Politikern zu halten. Zufällig habe er später den Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern kennengelernt, Patrick Dahlemann von der SPD. Den hatte nach dem Erfolg der AfD 2016 der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering von der SPD eingesetzt. Er soll sich um den ländlichen Raum kümmern und, er redet viel mit den Menschen, reist durch Vorpommern, und verteilt Fördergeldbescheide. Und er hat Falk zur SPD gebracht: Im Sommer 2020 trat er ein und wurde kurz darauf Kandidat für die Landtagswahl.

          „Dagegen kommst du nicht an“

          Seit Jahren schon ist Falk ehrenamtlicher Bürgermeister von Stolpe an der Peene, einem Dorf mit nur etwa 300 Einwohnern, aber großen Zielen. Zumindest sieht Falk das so. Er will Stolpe – und die Region – für die Leute vor Ort lebenswert halten, und noch attraktiver für Touristen machen. Die Leute vor Ort, das sind 37000 Wahlberechtigte, die andere Sorgen hätten als die Städter mit ihren Luxusansprüchen, sagt Falk. Gesunde Lebensmittel, grüne Energie – das seien berechtigte Anliegen, aber sie kämen nicht einfach aus dem Supermarkt oder der Steckdose. Falk meint: Klimaschutz ist eine gute Sache, aber nur, wenn der ländliche Raum nicht unter immer mehr Windrädern oder Erschwernissen für Landwirte leiden müsse.

          Was Falk über die politischen Herausforderungen in Vorpommern sagt, klingt nicht viel anders als das, was der CDU-Kandidat im Wahlkreis sagt. Man müsse darauf achten, dass die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung am Ende nicht zu kurz kämen, etwa bei der Energieversorgung: „Vor lauter Windräder kann man hier in Vorpommern gar nicht mehr aus dem Fenster gucken“, sagt er. Matthias Manthei ist an diesem Tag nicht so gut gelaunt, er hat verloren. 2016 war er als Direktkandidat für den Wahlkreis 29 in den Landtag gewählt worden, damals noch für die AfD. Doch wegen deren zunehmender Radikalisierung trat er aus der Fraktion aus und wechselte zur CDU. Aufgeregt hat das kaum jemanden. Dass ihm der Wechsel jetzt geschadet habe, glaubt er nicht. Er sieht sich als Getriebener eines Trends gegen die Union auf Bundes- und auf Landesebene. „Dagegen kommst du nicht an“, sagt er.

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