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Vor der Bundestagswahl : Sonntagsfragen

In keiner üblen Lage: Armin Laschet vor dem ARD-„Sommerinterview“ am 11. Juli in Berlin Bild: Reuters

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl stehen die Parteien überwiegend dort, wo die Wähler sie vor der Pandemie verorteten – Kanzlerkandidaten hin oder her.

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          Stell Dir vor, es ist Wahlkampf, und niemand schaut hin? Tatsächlich dürfte das Interesse an dem Finale der Fußball-Europameisterschaft trotz des bösen Endes des deutschen Sommermärchens weit größer gewesen sein als die Aufmerksamkeit, die dem zu einem Sommerinterview aufgelegten Kanzlerkandidaten der Union zuteil wurde. Alles andere aber wäre ein Grund zur Sorge.

          Wie üblich, ist in Deutschland zweieinhalb Monate vor der Wahl des nächsten Bundestags zumindest kalendarisch Hochsommer. Da wäre selbst Schlafwagenwahlkampf Aktionismus, und das Wort Schlammschlacht weckt eher Sehnsucht nach Strandurlaub als Furcht vor unschönen Raufereien.

          Kein Höhenflug für die SPD

          Freilich wäre Laschet schlecht beraten, hätte er am Sonntag nicht die erste und einzige Maxime jedes Wahlkampfs beherzigt, der auf Breitenwirkung angelegt ist: Wolfgang Schäuble hat sie ungeniert in die Worte gefasst, man wolle Zuversicht verströmen und die Wähler nicht verschrecken. Beides aber kann die als Regierungspartei mehrfach von unvorhersehbaren Krisen heimgesuchte Union mutmaßlich immer noch besser als alle anderen Parteien, gleich, wer an ihrer Spitze steht.

          Wenn vor dem Rathaus eine Pressekonferenz auf eine Hochzeit folgt: Papierne Herzchen zu Füßen von Armin Laschet  am 9. Juli in seiner Heimatstadt Aachen.
          Wenn vor dem Rathaus eine Pressekonferenz auf eine Hochzeit folgt: Papierne Herzchen zu Füßen von Armin Laschet am 9. Juli in seiner Heimatstadt Aachen. : Bild: dpa

          Denn in einem sind sich die seriösen Wahlforscher seit Wochen einig: Eine relative, aber deutliche Mehrheit möchte das Kanzleramt keiner anderen Partei anvertrauen als der, die seit 16 Jahren den Regierungschef stellt. Dieser Wunsch ist nicht in Stein gemeißelt. Aber es muss doch erstaunen, dass die Parteien in der Sonntagsfrage mit Ausnahme der erstarkten FDP wieder so ähnlich dastehen wie vor dem Ausbruch der Pandemie.

          Die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz hat der SPD keinen Höhenflug beschert, obwohl der Finanzminister auf der nationalen wie internationalen Bühne ungemein präsent ist. Auch sieht es nicht danach aus, dass die Grünen von dem Experiment der Kanzlerkandidatur Baerbocks profitierten.

          Das hat nicht nur mit allerlei Ungereimtheiten und Unprofessionalität zu tun. Mögen in Landtagswahlkämpfen zunehmend Persönlichkeiten den Ausschlag geben, so gelten für den Bund offenkundig andere Regeln. Aber welche – und wie lange noch?

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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