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Bundestagswahl 2017 : Wer in der SPD kann Kanzler?

Jetzt noch Kabinettskollegen, bald Konkurrenten? der SPD-Parteivorsitzende und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (Mitte) mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD) und Kanzlerin Merkel Bild: AFP

Sigmar Gabriel wird Kanzlerkandidat der SPD – oder etwa doch nicht? Der Parteivorsitzende poltert, zaudert, zuckt, viele Namen stehen im Raum. Wer hat welche Chancen? Ein Überblick.

          7 Min.

          Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wird auch Kanzlerkandidat für die Bundestagswahl 2017 – so dachte man zumindest, als die Zeiten noch deutlich bessere waren. Seit die Partei in den Umfragen aber immer weiter abrutscht und die Kritik an Gabriel immer lauter wird, scheint bei den Genossen alles wieder offen.

          Oliver Georgi
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Steinmeier, Nahles, Schulz und Scholz – kaum ein Name, der in Berlin noch nicht gefallen wäre, was noch durch Gabriels Vorschlag in einem „Spiegel“-Interview verstärkt wurde, die SPD solle doch einen Konkurrenzkampf um die SPD-Kanzlerkandidatur veranstalten.

          Welche Namen fallen derzeit im Regierungsviertel und im Willy-Brandt-Haus, und wie wahrscheinlich sind die jeweiligen Kandidaten? Eine Analyse.

          Sigmar Gabriel

          Hat als (Noch-)Parteivorsitzender den ersten Zugriff auf die Kandidatur: Sigmar Gabriel
          Hat als (Noch-)Parteivorsitzender den ersten Zugriff auf die Kandidatur: Sigmar Gabriel : Bild: Andreas Müller

          Rückhalt: Schwankend bis schlecht. Als Wirtschaftsminister und Vizekanzler noch geschätzt, ist Gabriel in der SPD schon länger ein Parteivorsitzender auf Widerruf. Das zeigt nicht nur die wachsende öffentliche Kritik an seinem schwankenden Kurs in der Flüchtlingskrise, sondern vor allem die desaströsen Werte bei seiner Wiederwahl als Parteivorsitzender im Dezember in Berlin. Etliche in der SPD haben die Ära Gabriel für sich längst abgeschrieben – und dass ein Parteivorsitzender auf Abruf einen erfolgreichen Wahlkampf gegen die Kanzlerin führen könnte, wird bei vielen bezweifelt. Auch die Deutschen glauben nicht daran, dass Gabriel der SPD guttut: Im ARD-„Deutschlandtrend“ sprach sich in dieser Woche nur jeder Dritte (31 Prozent) für Gabriel als Kanzlerkandidat aus. Selbst unter den SPD-Anhängern waren nur 43 Prozent der Befragten für Gabriel, die überwiegende Mehrheit (69 Prozent) stimmte für Bundesaußenminister Steinmeier.

          Wahrscheinlichkeit: Unsicher. Was macht Gabriel? Das ist die Frage, die alles andere entscheidet. Als Parteivorsitzender hat Gabriel das erste Zugriffsrecht; wenn er als Kanzlerkandidat kandidieren will, dann wird er es tun – es sei denn, er würde vorher als Parteivorsitzender gestürzt. Nach einem Bericht der „Zeit“ ist Gabriel weiter fest entschlossen, selbst anzutreten – sein Vorschlag, die Kandidatur in einem parteiinternen Konkurrenzkampf zu entscheiden, könnte nach dieser Lesart von der Überzeugung getrieben sein, dass es ohnehin niemand anderes machen und niemand offen die Palastrevolte wagen will.

          Die „Zeit“ berichtet auch über einen „weit fortgeschrittenen“ Plan, nach dem Gabriel erwägt, Anfang 2017 als Wirtschaftsminister und Vizekanzler abzutreten, um sich voll auf die Kanzlerkandidatur konzentrieren zu können. Andernfalls, befürchten die Befürworter dieser Idee demnach, könnte Gabriel denselben Fehler machen wie Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf 2009. Dem Vizekanzler und Außenminister sei es wegen seiner Doppelrolle im Wahlkampf nicht gelungen, sich glaubwürdig von der Kanzlerin abzusetzen – dies könne nur vermieden werden, wenn Gabriel sich vor dem Wahlkampf von seinen Ämtern verabschiede. Vordergründig spricht also vieles dafür, dass 2017 tatsächlich Gabriel gegen Merkel antritt. Das gilt aber nur für den Fall, dass er als Vorsitzender in der Partei wieder an Boden gewinnt. Gerät er weiter unter Druck oder bleibt die Stimmung gegen ihn so schlecht, wonach es derzeit aussieht, dürften viele Genossen auf seine Einsicht hoffen, dass eine Kandidatur gegen die eigene Partei keinen Sinn ergibt.

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