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Bundestagswahl 2009 : Früherer Grünen-Politiker Metzger tritt der CDU bei

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Zu wirtschaftsliberal für die Grünen: Oswald Metzger Bild: ddp

Der ehemalige Grünen-Spitzenpolitiker Oswald Metzger hat eine neue politische Heimat gefunden: Er will bei der Bundestagswahl 2009 für die CDU antreten. Vor dieser Wahl wollen die Grünen diesmal keine Koalitionsaussage machen, sagte ihr designierter Spitzenkandidat Trittin.

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          Der ehemalige Grünen-Politiker Oswald Metzger tritt in die CDU ein. Das teilte er am Dienstag in Biberach mit. Im kommenden Jahr will der 53 Jahre alte Finanzexperte wieder für den Bundestag kandidieren, was aber nach eigenen Angaben noch nicht mit der CDU abgesprochen ist. Er müsse sich seine Position nun erst erkämpfen und sich bei der Nominierung für die Wahl den Mitbewerbern stellen, sagte Metzger.

          CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum angekündigten Übertritt Metzgers: „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, das sich zu unseren Werten bekennt. Herzlich Willkommen!“

          „Persönlich und programmatisch entfremdet“

          Der ehemalige baden-württembergische Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Grünen war Ende November nach gut 20 Jahren Mitgliedschaft ausgetreten, weil er den Kurs der Grünen vor allem in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr mittragen wollte. Metzger sagte nun, er sehe in der CDU eine „parteipolitische Plattform“, auf der seine marktpolitischen Überzeugungen „einen größeren Raum haben als jemals bei den Grünen“. Vor seinem Austritt hatte Metzger die Grünen lange Zeit vor einem Linksruck gewarnt. Den Beschluss des Grünen-Bundesparteitags Ende November vergangenen Jahres für eine Grundsicherung nannte er damals einen Schlusspunkt: „Es hat über die letzten Jahre einen Entfremdungsprozess persönlich und programmatisch gegeben.“

          Bundestagswahl 2009 : Metzger will für die CDU antreten

          Der aus Bad Schussenried im Kreis Biberach stammende Politiker war von 1998 bis 2002 für die Grünen im Bundestag und seit 2006 im Landtag. Anfang Februar hatte er sein Landtagsmandat niedergelegt.

          Bundesgrüne ohne Koalitionsaussage

          Die Grünen wollen ohne eine Koalitionsaussage in den Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr ziehen. „Wir werden in den Wahlkampf gehen mit einer klaren Aussage, für was wir stehen“, sagte der designierte Spitzenkandidat und frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin der „Berliner Zeitung“.

          Auf die Frage, ob es eine Koalitionsaussage geben werde, antwortete Trittin: „Nein.“ Die Grünen müssten ihre Inhalte in den Vordergrund stellen. „Wenn wir diese Inhalte durchsetzen wollen, werden wir uns Gesprächen nicht verweigern können. Das gilt für alle Parteien.“

          „Mit wem auch immer“

          Bei den vergangenen Bundestagswahlen hatten sich die Grünen noch auf ein Bündnis mit der SPD festgelegt. „Die SPD steht uns im Bund in den meisten politischen Fragen noch immer sehr viel näher als die CDU“, sagte Trittin. „Rot-Grün ist wahrscheinlicher als Schwarz-Grün.“ Eine Koalition mit der Union wie in Hamburg hat Trittin zufolge keinen Vorbildcharakter für den Bund.

          Über eine mögliche Ampelkoalition mit SPD und FDP äußerte sich Trittin zurückhaltend. „Man muss erstmal abwarten, ob das Wahlergebnis dies überhaupt zulässt. In jedem Fall werden uns wohl schwierige Gespräche bevorstehen. Mit wem auch immer.“

          Parteiwechsel deutscher Politiker

          Vor Oswald Metzger haben schon andere prominente Politiker die Partei gewechselt:

          Oskar Lafontaine : Der frühere Parteivorsitzende verließ die SPD im Mai 2005. Heute ist er einer der Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Linkspartei.

          Otto Schily : Der Mitbegründer der Grünen verließ die Partei 1989 wegen einer Schlappe bei den Wahlen zum Fraktionsvorstand und trat der SPD bei. Er war von 1998 bis 2005 Bundesinnenminister.

          Günter Verheugen : Der jetzige EU-Kommissar wechselte 1982 von der FDP zur SPD. Damit protestierte er gegen die „Wende“ der Liberalen hin zur Union.

          Erich Mende : Der ehemalige FDP-Vorsitzende kehrte sich 1970 von seiner Partei ab und ging zur CDU. Als Vertreter des nationalliberalen Flügels war er bei den Liberalen zuletzt isoliert.

          Jürgen Möllemann : Nach seinem Austritt aus der CDU im Jahr 1969 brachte er es als FDP-Mitglied zum Vizekanzler unter Helmut Kohl (CDU). Mit seinem Austritt aus der FDP 2003 kam er einem Parteiausschluss zuvor.

          Gustav Heinemann : Der frühere CDU-Bundesinnenminister wandte sich 1952 wegen der Wiederbewaffnungspläne von seiner Partei ab. Als Mitglied der SPD wurde er 1969 Bundespräsident.

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