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Thomas Oppermann gestorben : „Ein schwerer Schock für uns alle“

  • Aktualisiert am

Der SPD-Politiker Thomas Oppermann Bild: dpa

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gab den Tod seines Parteikollegen auf Twitter bekannt. Zahlreiche SPD-Politiker zeigten sich schockiert. Deutschland verliere einen versierten Politiker und die Sozialdemokraten einen kämpferischen Genossen.

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          Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur völlig überraschend gestorben. Zuvor hatten RTL und ntv den Tod gemeldet und berichtet, der 66 Jahre alte Politiker sei am Sonntagabend bei Fernseharbeiten mit dem ZDF zusammengebrochen und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gab den Tod des SPD-Politikers am Montagmorgen auf Twitter bekannt. „Die Nachricht vom plötzlichen Tode meines Kollegen und Genossen Thomas Oppermann erfüllt mich mit tiefer Trauer“, schrieb er.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erschüttert. „Ich bin bestürzt und traurig über den viel zu frühen Tod Thomas Oppermanns“, erklärte Merkel am Montag. Sie habe ihn über viele Jahre als verlässlichen und fairen sozialdemokratischen Partner in großen Koalitionen geschätzt. Als Vizepräsident des Bundestags habe er sich „in turbulenter Zeit um unser Parlament verdient gemacht“. Seiner Frau und seinen Kindern gelte ihr aufrichtiges Beileid.

          „Wir alle verlieren einen Freund“

          Der SPD-Ko-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans zeigte sich tief erschüttert über den Tod Oppermanns. „Ein schwerer Schock für uns alle“, schrieb er auf Twitter. Der SPD-Politiker sei am Sonntag plötzlich und unerwartet gestorben. Auch SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz sprach von einem „Schock für uns alle“. Deutschland verliere „einen versierten Politiker, der Bundestag einen herausragenden Vizepräsidenten und die SPD einen leidenschaftlichen und kämpferischen Genossen. Wir alle verlieren einen Freund – und sind traurig.“

          Die SPD-Bundestagsabgeordnete und frühere Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz twitterte: „Das tut mir so leid – vor allem für seine Familie. In der letzten Sitzungswoche haben wir noch zusammen Dinge geplant.“

          Auch das ZDF zeigte sich bestürzt über den Tod des SPD-Politikers. Er sei am Sonntag zum Thema „Bundestag und Corona“ als Live-Interview-Gast in die Sendung „Berlin direkt“ eingeladen gewesen und habe aus dem Göttinger Max-Planck-Institut live in die Sendung geschaltet werden sollen, teilte der Sender am Montag mit. Während der erste Beitrag der Sendung gelaufen sei, sei Oppermann plötzlich zusammengebrochen. Die ZDF-Mitarbeiter vor Ort hätten einen Notruf getätigt, der 66 Jahre alte Politiker sei daraufhin in die Universitätsklinik Göttingen transportiert worden.

          Auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer reagierte bestürzt. „Der plötzliche Tod von Thomas Oppermann erschüttert uns“, schrieb Kramp-Karrenbauer auf Twitter. Er sei immer ein überzeugter Demokrat und aufrechter Sozialdemokrat gewesen. „Er wird fehlen“. Oppermanns plötzlicher Tod sei ein Schock, schrieb CSU-Chef Markus Söder auf Twitter. „Er war ein großer und engagierter Demokrat.“

          Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich fassungslos. Oppermann und er seien zur selben Zeit parlamentarische Geschäftsführer ihrer Bundestagsfraktionen gewesen. „Aus dem Gegeneinander von Regierung und Opposition wurde Freundschaft: So haben wir Manches bewegt“, schriebt er über den SPD-Politiker. „Du warst ein großartiger Demokrat und ein wirklich feiner Kerl.“ Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, zeigte sich ebenfalls schockiert. Oppermann sei ein streitbarer und profilierter Bundestagskollege gewesen, schrieb er.

          EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen brachte ihre Trauer in sehr persönlichen Worten zum Ausdruck. Sein Tod treffe sie tief, schrieb die CDU-Politikerin, die wie Oppermann aus Niedersachsen stammt, auf Twitter. „Er war immer da, seit meinem 1. Tag in der Politik in Niedersachsen.“ Oppermann sei ein besonderer Mensch und Demokrat gewesen, fügte die frühere Bundesministerin hinzu und wünschte: „Viel Kraft seinen Lieben!“

          Oppermann wollte nicht mehr antreten

          Der Niedersachse Oppermann hatte Ende August angekündigt, bei der kommenden Bundestagswahl nicht wieder antreten zu wollen. „Nach 30 Jahren als Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag und im Deutschen Bundestag ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas anderes zu machen und mir neue Projekte vorzunehmen“, äußerte er.

          Oppermann begann seine politische Karriere im Jahr 1980. Der studierte Jurist machte als Landesminister im Kabinett von Gerhard Schröder Karriere, war dort unter anderem Wissenschaftsminister und zog 2005 in den Bundestag ein. In Berlin gehörte er als Parlamentarischer Geschäftsführer und dann Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten (2013-2017) zu den energischen Taktgebern der SPD. In der großen Koalition 2013 bis 2017 koordinierte er gemeinsam mit dem CDU-Politiker Volker Kauder effizient die Arbeit der damals noch größeren SPD-Regierungsfraktion.

          Er wäre gerne Innenminister geworden

          Seinen Wahlkreis Göttingen gewann Oppermann viermal hintereinander direkt. Zuletzt setzte sich der Politiker besonders für eine Verkleinerung des Bundestags und eine Reform des Wahlrechts ein.

          Eine politische Bürde war die Affäre um den früheren Abgeordneten Sebastian Edathy, in der Oppermann eine nie ganz aufgeklärte Rolle gespielt hatte. Oppermann musste aber, anders als der CSU-Politiker Hans-Peter Friedrich nicht zurücktreten. Sein Wunsch, einmal Innenminister zu werden, blieb unerfüllt.

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