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Flüchtlinge : Unterm Dach ist noch Platz

  • -Aktualisiert am

„Wir haben doch keine Probleme“: Das Ehepaar Patzelt mit Haben und Awet Bild: Martin Lengemann/laif

Ein brandenburgischer Bundestagsabgeordneter hat Asylbewerber bei sich aufgenommen. Sie wohnen in den alten Kinderzimmern, und sonntags gehen sie mit in die Kirche. Ist das ein Modell für andere?

          Im märkischen Briesen ist die Stimmung „gekippt“, seit Awet und Haben im Haus von Katharina und Martin Patzelt wohnen. Nicht etwa bedrohlich, erfährt man am Tisch der Patzelts, sondern erfreulich gekippt: Dass die beiden jungen Männer aus Eritrea nun Gäste im Hause der Patzelts sind, dass sie Deutsch lernen, dass sie sich nützlich zu machen suchen, das habe aus Fremden „Bekannte“ gemacht, es habe zwanglose Begegnungen ermöglicht.

          Awet und Haben sind nicht die ersten in der brandenburgischen Provinz exotisch wirkenden Menschen, die im Haus der Patzelts ein Zuhause gefunden haben, immer wieder lebten ausländische Studenten der Viadrina in Frankfurt bei ihnen.

          Martin Patzelt ist Mitglied der CDU. Er war von 2002 bis 2010 Oberbürgermeister in Frankfurt (Oder), und er gewann bei der Bundestagswahl 2013 den Wahlkreis Frankfurt-Oder-Spree direkt. Er findet es unangemessen, dass die Gastfreundschaft seiner Familie ausschließlich als christlich begründet gesehen wird: „Es ist ein höchst politisches Handeln“, und er sei „kein Gutmensch, sondern Politiker“.

          Die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, sei ein guter Weg, „mit Problemen klarzukommen, die unseren inneren Frieden bedrohen können“. Gerade in Landstrichen, in denen wenig Fremde leben, aber die Fremdenfeindlichkeit gedeiht, sei es gut, positive „Erfahrungen zu ermöglichen“. Dass seine Frau und er zwei Flüchtlinge privat unterbringen, hält er für einen „Tropfen auf dem heißen Stein“.

          Schon vor einem Jahr bat Patzelt die Deutschen um praktische Hilfe für Flüchtlinge: „Wir Deutschen sind es gewohnt, dass unsere Hilfsleistungen über staatliche Stellen (Steuergelder) oder Träger der Wohlfahrt (Spenden) geleistet werden. Hier werden erkennbar Grenzen deutlich. Deshalb rufe ich die Menschen in unserem Lande auf, über eine zeitnahe Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere von Müttern mit Kleinkindern, in ihren eigenen Häusern oder Wohnungen nachzudenken.“ Das zeigte damals wenig Wirkung.

          Montag bis Donnerstag wird Deutsch gelernt

          Am 23. Juli, da war schon durch die Presse gegangen, dass die Patzelts zwei Eritreer aufgenommen hatten, wurde Patzelt 68 Jahre alt. In diesem Jahr, berichtet er, sei die Geburtstagspost besonders üppig und auffällig freundlich ausgefallen. Angesprochen worden sei er von Politikerkollegen nicht. Hassmails kamen in rauhen Mengen, zum Teil von Menschen, die nicht wie Neonazis, sondern wie regelrechte Nazis wirken.

          Nachdem die Deutsche Presse-Agentur darüber berichtet habe, hätten viele Anrufer ihn ihrer „Sympathie versichert“. In einer katholischen Kirche in Berlin berichtete Weihbischof Wolfgang Weider, wie Katharina Patzelt mit Awet und Haben in den Supermarkt gegangen sei und ihnen alles Nötige gezeigt und die Kassiererin gebeten habe, den Jungen, falls nötig, zu helfen.

          Inzwischen arbeitet Haben ehrenamtlich als Praktikant in dem Markt und Awet im Dorfgemeinschaftshaus nicht weit von den Patzelts entfernt. Beim Arbeiten lernen „die Jungs“ viel übers Leben in Deutschland: Disziplin und Pünktlichkeit, Warenvielfalt, Umgangsformen, Alltagssprache. Von Montag bis Donnerstag wird Deutsch gelernt. Fluchen können die beiden, das haben sie vom Sohn der Patzelts gelernt, als sie sich das Dachgeschoss herrichteten.

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