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Gründungstreffen in Berlin : Was will der „Parlamentskreis Pferd“?

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Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles auf einem Pferde-Markt in Vechta, Niedersachsen Bild: dpa

Neues aus dem Bundestag: Dort hat sich am Dienstag der „Parlamentskreis Pferd“ gegründet. Er will „über aktuelle Themen zum Pferd und aus der Pferdewelt“ informieren – und hat zwei prominente Mitglieder.

          In Berlin hat sich am Dienstag der fraktionsübergreifende „Parlamentskreis Pferd“ gegründet. 25 Abgeordnete traten ihm bei, unter ihnen die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und, nach Informationen der „Berliner Morgenpost“, auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

          Ziel des Kreises sei es, „fraktionsübergreifend im Kreise pferdeinteressierter Kolleginnen und Kollegen über aktuelle Themen zum Pferd und aus der Pferdewelt zu informieren und dieses mit Gästen aus der Praxis und der Wissenschaft zu diskutieren“, hieß es im Einladungsschreiben zum Gründungstreffen des Interessenkreises. Das Pferd habe wie kein anderes Tier den Menschen beeinflusst. „Über 5000 Jahre prägte das Pferd Fortbewegung und Transport, Landwirtschaft und Militär.“

          Die Gründung des Parlamentskreises war im März angekündigt worden, die Einladung für das Gründungstreffen ging nun von vier Bundestagsabgeordneten aus: Neben Nahles initiierten Alois Gerig (CDU), Pascal Kober (FPD) und Dieter Stier (CDU) das Treffen.

          „Mehr Pferde als SPD-Wähler“

          Vor allem über Nahles’ Beteiligung wurde schon vor dem Gründungstreffen gespottet worden. Das lag auch am Timing. Mitten in der tiefen Krise ihrer Partei, kurz nach dem schlechten Abschneiden bei der Landtagswahl in Bayern, wurde bekannt, dass die Parteivorsitzende und begeisterte Reiterin dem Kreis beitreten will. Angesichts der schwierigen Lage der Sozialdemokratie – im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Emnid und der „Bild am Sonntag“ stagnierte sie zuletzt bei 15 Prozent – war das eine Steilvorlage für kritische oder ironische Kommentare, auch innerhalb der SPD.

          „Es gibt ja zumindest mehr Pferde als SPD-Wähler in Bayern“, habe ein Abgeordneter in einer Sitzung ironisch eingeworfen, hieß es aus Fraktionskreisen. Einen Spruch, den die ARD-Satiresendung „Extra 3“ prompt aufgriff: „Vier Hufe für den Wahlsieg. SPD setzt auf Reiter. Es gibt jetzt einen ‚Parlamentskreis Pferd‘. Schließlich gebe es 1,6 Millionen Reiter in Deutschland, das ist die Argumentation. Und wie ein SPD-Abgeordneter richtig angemerkt haben soll: Es gibt in Bayern inzwischen mehr Pferde als SPD-Wähler.“

          „Da bekomme ich den Kopf frei“

          Nahles, die einen Friesen-Wallach namens Siebke besitzt, machte jedoch deutlich, dass sie die Parlamentariergruppe durchaus ernst nimmt. „Fast vier Millionen Reiterinnen und Reiter gibt es in Deutschland. Ich bin eine davon. Parlamentarier sollen den Kontakt zu allen Teilen der Gesellschaft haben. Das ist auch richtig so“, sagte sie der „Bild“-Zeitung. „Pferde sind wunderbare Tiere, sie begleiten uns Menschen seit Jahrtausenden. Ich liebe einen Ausritt in der Herbstlandschaft. Da bekomme ich den Kopf frei.“

          Die Gründung fraktionsübergreifender Parlamentskreise ist nichts Ungewöhnliches. In ihnen schließen sich Abgeordnete formlos zusammen, die eine Leidenschaft für ein bestimmtes Thema teilen. So gibt es Kreise für die Förderung der Energieeffizienz, des Radverkehrs, einer mittelstandsfreundlichen Politik oder den Erhalt von Alleen.

          Die Grünen-Abgeordnete Tabea Rösner, die selbst zwei solcher Kreise gegründet hat – gegen Bahn- und gegen Fluglärm –, wundert sich über Nahles’ öffentliches Engagement für Pferde. Natürlich könne sich jeder für seine Interessensgebiete einsetzen, sagte Rösner der ARD. Sie fürchtet aber, dass sich die Bürger  angesichts der Diskussion um den „Parlamentskreis Pferd“ fragen werden: „Haben die keine anderen Sorgen?“

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