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Bundesregierung rät : Besser gar nicht in den Urlaub fahren

Ziemlich voll schon wieder: Strandkörbe stehen am Strand von Westerland. Bild: dpa

Übervolle Strände, wildes Campen und zahlreiche Ordnungswidrigkeiten: In Norddeutschland kämpfen Ferienorte und Sicherheitsdienste um die Einhaltung der Abstandsregeln.

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          Die Bundesregierung warnt die Deutschen vor einer höheren Ansteckungsgefahr im Sommerurlaub. Den Bürgern wird abgeraten, überhaupt zu verreisen, ob ins Ausland oder innerhalb der Landesgrenzen. „Leider macht das Coronavirus keinen Urlaub“, sagte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Heidrun Thaiss, der F.A.S. Jeder sollte deshalb die „AHA-Formel mit im Gepäck haben“. Gemeint ist: Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmaske tragen. Gerade das Abstandhalten könnte im Gedränge voller Strände schwierig werden. In den Ferienorten gibt es deshalb Bemühungen, die Verbreitung des Virus so weit wie möglich einzudämmen. Die Polizei berichtet von vielen Verstößen.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Übervolle Strände werden von der Lübecker Bucht gemeldet. Auch im Seebad Binz auf der Insel Rügen ist es sehr eng. Die örtliche Tourismusverwaltung versichert, es werde auf den Abstand geachtet und der Strand sei sehr lang und breit: „Eine Familie mit Kindern darf sich auf 25 Quadratmetern ausbreiten.“ Außerdem würden die Schließzeiten in der Gastronomie ab der nächsten Woche von 21 Uhr auf 2 Uhr verschoben. Das entspanne die Situation. In den Seebädern sind zusätzliche Sicherheitskräfte unterwegs, um auf die Einhaltung der Abstandsregeln zu achten, außerdem die Strandvögte und die Ordnungsdienste. Der Landkreis Vorpommern-Rügen berichtet, dass es Verstöße gegen die Auflagen gibt, vor allem bei Wohnmobilen ohne bestätigte Buchung.

          Auch Nordfriesland hat mit dem Problem zu kämpfen. So sind schon Dutzende Verfahren wegen „wilden Campens“ eingeleitet worden, weil viele Camping- und Wohnmobilplätze voll sind und die Angereisten ihre Wohnwagen in der Wildnis parken. In Deutschland ist das nicht erlaubt. Nordfriesland meldet außerdem, dass es in den vergangenen Wochen etwa vierhundert Ordnungswidrigkeiten gab, in 130 Verfahren wurden Verwarnungen ausgesprochen oder Bußgelder bis zu 75 Euro verhängt. Wer in Gesellschaft zu laut feiert und es kommt die Polizei, muss damit rechnen, dass gegen jeden Teilnehmer ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Corona-Verordnung eingeleitet wird.

          Vor der Reise über die Lage am Zielort informieren

          Die Urlaubsorte selbst empfehlen, sich vor der Reise genau über die Lage am Zielort zu informieren. Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel ist für Tagestouristen noch immer gesperrt. In Schleswig-Holstein starten in der Lübecker Bucht an der Ostsee und in St. Peter-Ording an der Nordsee Pilotprojekte zur digitalen Besucherlenkung. Per Sensor wird gezählt, wie viele Gäste sich dort aufhalten. Tagestouristen können also schon vorher erfahren, wo wie viel los ist. Auch in anderen Badeorten gibt es eine Besucherlenkung, so können etwa in der Tourismusgemeinde Wangerland Strandkörbe nur noch über das Internet gebucht werden. Außerdem dürfen nur achtzig Prozent der Strandkörbe aufgestellt werden. Die Promenaden und Seebrücken gelten als Hotspots, hinzu kommen besonders beliebte und entsprechend volle Strandabschnitte.

          Nach der Aufhebung vieler Corona-Einschränkungen melden die Ferienorte an der Küste viele Besucher. In Binz wird von einem „fulminanten Saisonstart“ gesprochen. Aus dem niedersächsischen Tourismusministerium heißt es, viele Leute hätten nur auf den „Startschuss“ gewartet, um endlich wieder losfahren zu können. Die Tourismusverbände an Nord- und Ostsee berichten, inzwischen seien die Zahlen wieder vergleichbar mit denen der Vorjahre oder etwas besser, die Auslastung liege bei etwa achtzig Prozent.

          Für die Tourismuswirtschaft ist das positiv. Niedersachsens Tourismusminister Bernd Althusmann sagte der F.A.S.: „Nach den schrittweisen Öffnungen der vergangenen Wochen sehe ich für den Tourismus in Niedersachsen wieder eine deutlich positive Entwicklung.“ Sein Amtskollege aus Schleswig-Holstein, Bernd Buchholz, ergänzt: „Die Urlauber suchen in diesem Jahr gerade nach Urlaubszielen mit Meer, Wasser, viel Weite, viel Platz und ohne große Menschenansammlungen.“ Überall an der Küste stünden Angebote besonders hoch im Kurs, bei denen sich die Menschen möglichst autark bewegen könnten, etwa Camping- und Hausbooturlaub sowie Urlaub im Wohnmobil.

          Auch Mecklenburg-Vorpommerns Tourismusminister Harry Glawe sieht den Ansturm positiv, zumindest was die Wirtschaft anbelangt: „Die Aussichten für die Hauptsaison sind gut, und alles, was danach kommt, werden wir sehen.“Viele Tourismusbetriebe werden ihre Einbußen auch bei einem guten Sommer nicht wieder aufholen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband rechnet mit einer „nachgelagerten Insolvenzwelle“ in der Gastronomie. 

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