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Deutschland im Ernstfall : Das sind Details des neuen Zivilschutz-Konzepts

„Maßnahmen zur Härtung der Bausubstanz“

Anders als der Atombunker ist der „zentrale Bergungsort“ für Kulturgut bis heute in Betrieb. Seit den Siebzigerjahren werden in einem ehemaligen, speziell gesicherten Stollen bei Freiburg Mikrofilme eingelagert, die bedeutende Werke deutschen Geistes für die nächsten 500 Jahre konservieren sollen. Es geht um den „Erhalt der kulturellen Identität unserer Gesellschaft“. So kamen 1500 Edelstahlbehälter zusammen, und daran soll sich nach dem neuen Konzept nichts ändern.

Bunker waren früher auch das Mittel der Wahl, um die Bevölkerung zu schützen. Das lag nahe – es gab ja noch Hunderte aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurden nach der Kuba-Krise 1962 modernisiert und um neue Räume ergänzt, etwa in U-Bahnhöfen. Damals, auf dem Höhepunkt der Ost-West-Konfrontation, entwickelte ein Hamburger Konstrukteur einen angeblich „atomsicheren Kugelbunker“, den Privatleute im Garten verbuddeln sollten, Kostenpunkt: 6900 Mark (unteres Bild). Ende der achtziger Jahre gab es zweitausend öffentliche Schutzräume in der Bundesrepublik. Das klingt nach viel, aber es hätte nur gereicht, um drei Prozent der Bevölkerung unterzubringen. Im Jahr 2007 beschloss Thomas de Maizière, damals wie heute Bundesinnenminister, die Bunker komplett aufzugeben.

Dabei soll es auch nach dem neuen Konzept bleiben, das in seiner Verantwortung entstanden ist: „Die flächendeckende Bereitstellung öffentlicher Schutzräume ist nicht realisierbar und in Anbetracht von Ereignissen mit kurzer oder fehlender Vorwarnzeit nur sehr eingeschränkt geeignet, ausreichende Schutzwirkung zu entfalten.“ Stattdessen soll der Bund „Maßnahmen zur Härtung der Bausubstanz“ empfehlen, fördern oder verbindlich vorgeben – da legt sich das Konzept nicht fest.

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Es gibt dafür innovative Lösungen. So kann man heute schwingende Fassaden bauen, die Druckwellen aufnehmen, Gebäude aber nicht zum Bersten bringen – zum Beispiel, wenn Glaselemente mit Federn und Dämpfern an Stahlträgern befestigt werden. An der Bundeswehr-Uni in München ist ein hochfester Beton entwickelt worden. Dort testen Ingenieure auch, wie Pflanzen den Druck von Explosionen ableiten. „Nichts ist so wirksam wie eine Thuja-Hecke“, berichtet Norbert Gebbeken, einer der Fachleute auf diesem Gebiet. Getrieben wird die Forschung von praktischen Erfordernissen. So erstellt Gebbeken etwa Sicherheitskonzepte für Botschaften und Bundeswehrstützpunkte in Afghanistan. Dort wurden etwa Mauern aus Gabionen gebaut, die ebenfalls hohem Druck standhalten. Inzwischen sieht man die aufgeschichteten Steinkörbe immer öfter in deutschen Privatgärten.

Das Bundesinnenministerium hält es auch für notwendig, die Bürger wieder an die Vorratshaltung zu erinnern – für den Fall, dass die öffentliche Versorgung vorübergehend zusammenbricht. Ältere Menschen, die noch den Krieg erlebt haben, hatten früher Einweckgläser mit Wasser im Keller stehen.

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