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Bundespräsident Wulff : Vorerst die Wahrheit

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Damals auf dem Weg nach oben: Christian Wulff 2007 bei der Vorstellung seines Buches „Besser die Wahrheit“ Bild: dapd

Ein Unternehmer hat Anzeigen für ein Gesprächsband mit Wulff bezahlt - nur wenige Monate vor der Landtagswahl 2008 in Niedersachsen.

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          „Besser die Wahrheit“ - der Titel eines Gesprächsbandes mit Christian Wulff schien prophetisch. Es erschien 2007 bei einem Hamburger Verlag, kurz vor der Landtagswahl im Januar 2008. Die Finanzierung von Anzeigen für dies Buch hat nun zu neuen Kontroversen um eine auch finanzielle Nähe zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Wulff und Unternehmern geführt.

          Der Unternehmer Carsten Maschmeyer bestätigte der „Bild“-Zeitung, er habe Anzeigen für das Buch beglichen, die im Oktober 2007 in vier niedersächsischen Tageszeitungen erschienen. Maschmeyer teilte der Zeitung mit, er habe die Anzeigen „privat bezahlt“, sie jedoch „nicht steuerlich geltend gemacht“. Anfangs hatte der Verlag bezahlt, die Rechnung aber dann „wie besprochen“ an Maschmeyer weitergeleitet. Dieser bezahlte den vom Buchverlag ausgelegten Betrag von 42731,71 Euro am 19. Februar - vier Monate nach Erscheinen der Anzeigen und 23 Tage, nachdem Wulff als Ministerpräsident wiedergewählt wurde.

          Die CDU ließ eine Taschenbuchausgabe des Gesprächsbandes in einer Auflage von 5000 Stück herstellen. Die Kosten von 29000 Euro beglich die Partei, die das Taschenbuch „in geringer Zahl“ an Kreisverbände und Landtagskandidaten sowie an „Jubilare“ verschenkte. Mit der Hardcover-Ausgabe des Buches und deren Finanzierung habe die Partei nichts zu tun gehabt, teilte die Landesgeschäftsstelle der CDU am Dienstag mit.

          Maschmeyer: Mit Wulff nicht gesprochen

          Landespolitiker der CDU sowie der Buchautor, der Publizist Hugo Müller-Vogg, sagen, sie hätten erst am Montag erfahren, dass Maschmeyer die Rechnungen übernommen hatte. Maschmeyer sagt, er habe darüber mit Wulff „nicht gesprochen“. Der Bundespräsident ließ über seinen Anwalt Gernot Lehr erklären, ihm seien diese Zahlungen nicht bekannt gewesen. Auch der Geschäftsführer des Buchverlags Manfred Bissinger - der 2005 auf eigene Kosten Anzeigen für eine Wiederwahl Schröders zum Bundeskanzler finanziert hatte - sagte, eine solche Fremdfinanzierung einer Anzeigenkampagne sei üblich, er habe dazu mehrere Unternehmer angesprochen. Wulff habe ihn damals nicht gefragt.

          Maschmeyer stand zehn Jahre zuvor ebenfalls „privat“ hinter politischen Anzeigen im Wahlkampf 1998 für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Schröder (SPD); zudem erwarb er später die Rechte an einer Autobiographie Schröders. Damals kritisierte Wulff als Oppositionsführer im Landtag die Finanzierung dieser Wahlwerbung.

          Den Landtagswahlkampf 2008 organisierte für die Landespartei der Generalsekretär und Landtagsabgeordnete Ulf Thiele - Wulff, der damals auch Landesvorsitzender war, hatte ihn vorgeschlagen. Es halfen vor allem zahlreiche jüngere Mitarbeiter und ein überregional vernetzter Pressesprecher, der Erfahrung mit Werbung hatte. Das Buch habe für den Wahlkampf keine besondere Rolle gespielt, sagt ein Sprecher der Landespartei heute.

          Geerkens auf 244 Seiten nicht erwähnt

          Der Wahlkampf verlief insgesamt wenig spektakulär; Wulff sagte, er sei schwieriger als fünf Jahre zuvor gewesen: Angreifer zu sein sei leichter als Verteidiger. Auch wenn Umfragen Wulff und die CDU vorne sahen, war deren Wahlsieg nicht gesichert. Zu den Unsicherheiten zählten neben der Wahlbeteiligung und der fehlenden Festlegung vieler Wähler vor allem das Abschneiden von FDP und Linkspartei. Beide kamen, was nicht gewiss war, in den Landtag. Viel mehr Aufregung war nicht.

          In dem Gesprächsband „Besser die Wahrheit“ über das politische und private Leben Wulffs werden auf 244 Seiten Egon Geerkens - sein väterlicher Freund, dessen Frau bei der Finanzierung des Hauses mit einem Kredit half - und Maschmeyer namentlich nicht erwähnt.

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