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Bundespräsident besucht Warschau : Gauck würdigt Polen als Land der Freiheit

Am Dienstag in Warschau: Bundespräsident Gauck erhält von Polens Präsident Komorowski ein Solidarnosc-Plakat. Bild: dapd

Bundespräsident Gauck will die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen weiter vertiefen. Er betonte, beide Länder verbinde der Kampf gegen die Diktatur in der Vergangenheit ebenso wie der Einsatz für die Demokratie heute.

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          Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat Bundespräsident Gauck in Warschau für die Entscheidung gedankt, Polen zum Ziel seiner ersten Auslandsreise im Amt zu machen. Nach einem gemeinsamen Abendessen am Montag sagte er am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, diese Reise sei „zweifellos ein Symbol“ dafür, dass die Beziehungen zwischen Polen und Deutschland „immer besser“ würden.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Mittlerweile gehe die Annäherung beider Länder „viel, viel weiter als der Prozess der Versöhnung unserer Völker“. In der polnischen Presse wurde Gauck schon vor seiner Ankunft mit zum Teil enthusiastischen Tönen gefeiert. Schon bei seiner ersten gescheiterten Bewerbung um das Amt im Jahr 2010 hatte er angekündigt, dass seine erste Auslandsreise ihn nach Polen führen würde.

          Gauck knüpfte in Warschau an ein Interview mit der Zeitung „Gazeta Wyborcza“ an, in welchem er unmittelbar vor seiner Reise die Rolle Polens bei der Befreiung Europas von den Diktaturen des sowjetischen Machtbereichs gewürdigt hatte. „Für mich ist Polen das europäische Land der Freiheit“, sagte er. Er sei gern gekommen, denn „ein Liebhaber der Freiheit wird sich immer dort wohlfühlen, wo die Freiheit beheimatet ist“. Komorowski, der wie Gauck zu Zeiten der Diktatur zur antikommunistischen Opposition gehört hatte, griff das Thema auf und erinnerte daran, dass sowohl er als auch sein deutsches Gegenüber die Zeit noch gut in Erinnerung habe, „als es keine Freiheit gab, und wir in unseren Ländern große Anstrengungen unternahmen, damit die Freiheit, zum Fundament der deutsch-polnischen Zusammenarbeit wird“

          Spekulationen einzelner polnischer Kommentatoren, Gauck habe nur deshalb nicht Paris zum Ziel seiner ersten Reise gewählt, weil in Frankreich gerade Wahlkampf herrsche, trat der Bundespräsident in Warschau entgegen. Die Entscheidung, nach Polen zu reisen, sei „aus dem Herzen gekommen“. Jetzt hoffe er, dass sich die herzliche Aufnahme und das gute persönliche Verhältnis der beiden Präsidenten „auch auf unsere Völker überträgt“. Gauck ist nach Horst Köhler der zweite Bundespräsident, der Polen zum Ziel seiner ersten Auslandsreise gemacht hat.

          Die polnische Presse hat auf die Geste des Präsidenten mit auffallend positiven Kommentaren reagiert. Schon in den Wochen vor Gaucks Wahl trugen Artikel über seine Kandidatur selbst in der sonst deutschlandkritischen „Rzeczpospolita“ Überschriften wie „Die Deutschen können es“. Kommentatoren hielten dem Kandidaten zugute, dass er – wie der überwiegende Teil der polnischen Elite – aus der antikommunistischen Opposition stammt, und dass er als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde eine aus polnischer Sicht überaus strenge Abrechnung mit der Diktatur möglich gemacht habe. Dabei wurde ihm sogar verziehen, dass er gelegentlich an der Seite der in Polen gefürchteten deutschen Vertriebenenpolitikerin Erika Steinbach (CDU) aufgetreten ist.

          Unmittelbar vor Gaucks Ankunft in Warschau wurden die positiven Kommentare geradezu enthusiastisch. Die Zeitung „Polska“ bezeichnete Gauck als den „neuen Moses des deutschen Volkes“ und ließ die Behauptung, viele bezeichneten ihn schon als den „deutschen Václav Havel“. Selbst die sonst strikt deutschlandfeindliche nationalklerikale Presse fand überraschende Superlative.

          Die Zeitung „Nasz Dziennik“, die mit dem fundamentalkatholischen Sender „Radio Mariya“ verbunden ist, schrieb, Gauck sei das schiere Gegenteil des früheren Bundeskanzlers Schröder (SPD), der immer nur die Interessen Moskaus und des russischen Staatsmonopolisten Gasprom im Sinn gehabt habe. Zum ersten Mal seit Kaiser Otto III., der vor 1012 Jahren laut manchen Quellen den polnischen Herzog Boleslaw Chrobry zum ersten König Polens erhoben hat, stehe nun ein „authentischer Freund Polens“ an der Spitze des deutschen Staates.

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