https://www.faz.net/-gpf-72x1p

Bundeskanzlerin Merkel : Mein Herz so verborgen

  • -Aktualisiert am

Die Bundeskanzlerin vor Beginn der Bundespressekonferenz in Berlin Bild: dapd

Angela Merkel hat sich der Bundespressekonferenz gestellt. Es war ein Spiel mit Optionen und Koalitionen, bei dem sie sich nicht in die Karten schauen ließ.

          4 Min.

          Außer Konrad Adenauer, der eine Wahlperiode (1957 bis 1961) lang mit einer absoluten Mehrheit regieren konnte, ansonsten aber mit Hilfe der FDP zum Bundeskanzler gewählt wurde, ist die CDU-Vorsitzende Angela Merkel in der Geschichte der Bundesrepublik der einzige Regierungschef, der mit zwei unterschiedlichen Regierungskonstellationen vom Bundeskanzleramt aus regierte. Sie führte - nolens volens - von 2005 bis 2009 eine große Koalition mit der SPD an. Seither regiert sie mit der FDP. Ein Jahr vor der Bundestagswahl lag, zumal die Umfragen derzeit nicht für eine Fortsetzung der Regierung Merkel/Rösler sprechen, die Frage nahe, worin denn der Unterschied zwischen einer großen Koalition und der schwarz-gelben Koalition bestehe.

          Die Antwort fiel trocken aus - Frau Merkel gehört wie auch ihre Vorgänger nicht zu jenen Politikern, die sich in die Karten schauen lassen. „In einer großen Koalition gibt es immer noch einen Partner, der möchte auch den Kanzler stellen.“ In der Bundespressekonferenz, deren Fragen sie sich am Montag eindreiviertel Stunden stellte, rief noch jemand dazwischen, ob denn Philipp Rösler, der FDP-Vorsitzende, nicht auch Bundeskanzler werden wolle. Da sagte die amtierende Bundeskanzlerin: „Herr Rösler ist gerne Vizekanzler - und das kann ich gut verstehen.“

          „Ausschließen kann man eine große Koalition nicht“

          Immerhin gab es doch noch einen weiteren Unterschied. Damals, gegen Ende der vergangenen Wahlperiode, machte Frau Merkel kein Geheimnis daraus, dass sie die Koalition mit der SPD - aus Gründen der politischen Nähe, aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen - nicht fortsetzen, sondern lieber ein Bündnis mit der FDP eingehen wolle. Nun versicherte sie, am liebsten würde sie weiter mit der FDP regieren. Sie habe immer gesagt, die Gemeinsamkeiten zwischen CDU, CSU und FDP seien die größten. „Da sage ich als Parteivorsitzende, dass ich gerne ein solches Bündnis fortsetzen würde.“ Angesichts der Umfragen, von denen derzeit keine einzige den Unions-Parteien und der FDP eine Regierungsmehrheit voraussagt, machte Frau Merkel Einschränkungen. Also doch eine große Koalition? Es kam ein „Ausschließen kann man so etwas nicht“. Darauf hinarbeiten werde sie aber nicht.

          Was auch hätte sie anderes sagen sollen, mag sie sich selbst gefragt haben. Sie bat um Geduld, als jemand darlegte, bislang habe noch jeder Koalitionspartner der Bundeskanzlerin während der Regierungsarbeit erheblich an öffentlicher Zustimmung verloren. Nach herkömmlicher Rechnung betrifft das zwei: SPD und FDP. Doch könnte auch der dritte Koalitionspartner, die überaus eigenständige CSU, dazu gezählt werden, die während der Regierungszeiten mit Frau Merkel im Freistaat Bayern die absolute Mehrheit verlor. Also sagte Frau Merkel, man möge doch das Wahlergebnis im kommenden Herbst abwarten. Freilich hatte sie noch eine positive Erinnerung an die Zeit mit der SPD parat. „Ansonsten hat die große Koalition eine gute Arbeit geleistet“, sagte sie, auch wenn das Regierungsbündnis damals nicht jenes große Ansehen gehabt habe, wie es nun - in den Umfragen - heutzutage der Fall sei.

          Weitere Themen

          Auftakt im Amtsenthebungsverfahren Video-Seite öffnen

          Beweisführung gestartet : Auftakt im Amtsenthebungsverfahren

          Das Verfahren im Impeachement-Prozess gegen Donald Trump im Senat wurde eröffnet. Die Anklage unter Adam Schiff erhebt schwere Vorwürfe gegen den Präsidenten und werfen ihm in der Ukraine-Affäre Amtsmissbrauch vor.

          War Trumps Rede ein Desaster?

          F.A.Z.-Newsletter : War Trumps Rede ein Desaster?

          Was der amerikanische Präsident mit Zukunftsoptimismus zu tun hat, wie Amazon-Chef Bezos Opfer eines Hacking-Angriffs wurde und was zum Aussterben der Dinos geführt hat. Das und mehr steht heute im Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Meghan und Harry : Weiß, englisch, konservativ

          Im Drama um Meghan und Harry steckt auch ein eigener politischer Kern: Die Menschen spüren, wie wichtig das Königshaus in bewegten Zeiten ist. Harrys Abschied hat eine andere Frage aufgeworfen.

          Angst um Kakaoernte : Schokolade wird teurer

          Sorgen um eine schlechte Ernte treiben den Kakaopreis an den Märkten. Zudem soll ein Preisaufschlag armen Kakao-Bauern helfen. Verbraucher müssen daher wohl mehr für die tägliche Tafel zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.