https://www.faz.net/-gpf-a71kl

Kritik der Länder : Bund will Impfstofflieferungen vorziehen

  • Aktualisiert am

Ein Mitarbeiter der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) belädt in Irxleben im Impfstofflager in der Börde einen LKW mit medizinischem Material. Bild: dpa

Fehlende Kommunikation und angebliche Lieferprobleme: Aus den Ländern wird Kritik an der Impfstoffverteilung laut. Berlin reagiert – und zieht die nächste Lieferung drei Tage vor.

          2 Min.

          Nach scharfer Kritik aus den Ländern an einem stockende Verlauf der Impfstoff-Auslieferung hat das Bundesgesundheitsministerium für kommende Woche eine vorgezogene Lieferung angekündigt. Das Corona-Vakzin des Herstellers Biontech werde bereits am 8. Januar den Ländern zur Verfügung gestellt, erklärte ein Ministeriumssprecher. „Danach erfolgt die nächste Lieferung am 18. Januar 2021 und ab dann vorerst wöchentlich montags. Dabei werden anfangs circa 670.000 Dosen pro Woche geliefert.“

          Zuvor hatte das Bundesministerium den Ländern nach deren Angaben mitgeteilt, dass die nächste Lieferung erst für den 11. Januar geplant sei. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) etwa hatte dies als „unverständlich“ kritisiert und dem Bund vorgeworfen, gegen bisherige Zusagen zu verstoßen. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die Lieferungen insgesamt wie vorgesehen stattfänden. „Wie geplant wurden bis Ende des Jahres 1,3 Millionen Impfstoffdosen an die Bundesländer ausgeliefert“, sagte ein Sprecher. Die am Mittwoch ausgefahrene Lieferung decke „nach den Planungen von Biontech auch die erste Januarwoche ab“.

          Der Koordinator der Taskforce Corona-Pandemie des bayerischen Gesundheitsministeriums, Staatssekretär Klaus Holetschek, zeigte sich unzufrieden mit dem Vorgehen des Bundes. „Für eine professionelle Planung benötigen wir frühzeitig verlässliche Informationen zu den bevorstehenden Impfstofflieferungen.“ Die Informationspolitik des Bundes sei „hier stark verbesserungswürdig, denn bislang erreichen uns die benötigten Informationen leider nur sehr zögerlich und meist kurzfristig“. Eine Terminvergabe für die Impfung mache „nur dann wirklich Sinn, wenn alle Voraussetzungen für eine Impfung erfüllt sind“ – und dazu zähle in erster Linie Impfstoff, erklärte Holetschek.

          Nach Angaben von Ministerin Huml bremsen die Lieferprobleme den Fortgang der Impfkampagne aus: „Aktuell sind wir dadurch in unserem Impfangebot stark beschränkt. Wir können leider nur das anbieten, was uns vom Bund geliefert wird.“

          Bis Mittwochvormittag wurden 78.109 Corona-Impfungen an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Geimpften um 37.273, wie aus RKI-Angaben von Mittwoch hervorgeht. Diese Zahl könne allerdings auch Nachmeldungen enthalten und spiegele somit nicht die Zahl der an einem Tag tatsächlich Geimpften wider, so das RKI.

          RKI-Präsident Lothar Wieler forderte die Deutschen am Mittwoch dazu auf, ungeachtet der Corona-Impfungen die Verhaltensregeln weiter einzuhalten und die Kontakte zu begrenzen. Er rief dazu auf, nicht zu verreisen, möglichst wenige Menschen zu treffen – und wenn, dann nur dieselben Menschen und im Freien. „Lassen Sie uns dem Virus gemeinsam den Wind aus den Segeln nehmen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In einer Apotheke in Soest wird ein Schnelltest vorgenommen.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt unter 104

          17.419 Corona-Neuinfektionen und 278 Todesfälle, das sind wieder weniger als vor einer Woche. Entsprechend geht die Sieben-Tage-Inzidenz weiter zurück – auf 103,6.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.