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Bund der Vertriebenen : Designierter Vorsitzender will besseres Verhältnis zu Polen

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Der Siebenbürger Sachse Bernd Fabritius übernimmt wahrscheinlich im November den Vorsitz des Bundes der Vertriebenen Bild: dpa

Bernd Fabritius, der designierte Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, sieht seinen Amtsantritt als Möglichkeit, die Beziehungen des Verbandes zu Polen zu verbessern.

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          Der designierte Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), Bernd Fabritius, will ein neues Kapitel in den Beziehungen seines Verbandes zu Polen aufschlagen. Er wolle möglichst bald nach seiner Wahl mit dem BdV-Präsidium ins Nachbarland reisen, um sowohl mit Vertretern der deutschen Minderheit als auch des „offiziellen Polen“ zusammenzutreffen, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

          Der 49-Jährige kandidiert bei der BdV-Bundesversammlung am 7. November in Berlin für die Nachfolge von Erika Steinbach, die in Polen wegen ihres Auftretens und provokanter Äußerungen als Unperson galt. „Ich denke, dass der Wechsel an der BdV-Spitze auch zur Folge haben wird, dass dieses einseitige und aus meiner Sicht unbegründete Feindbilddenken, das bisher vorherrschend war, beendet wird. Ich bin in Polen kein Feindbild“, sagte der bisherige BdV-Vizepräsident.

          Dies ermögliche einen Dialog auch zu Themen, die bisher ausgeklammert wurden, glaubt Fabritius. Als Beispiel nannte er die „Bierut- Dekrete“, mit denen nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem die Vertreibung der Deutschen aus den heute zu Polen gehörenden früheren ostdeutschen Provinzen jenseits von Oder und Neiße angeordnet wurde. Dies seien „Unrechtsdekrete“, die in einer europäischen Werteordnung, zu der auch Polen unbedingt gehöre, keinen Platz hätten.

          Erstmals wird ein nach dem Krieg geborener Vorsitzender

          „Ich glaube, dass die Zeit gekommen ist für einen ehrlichen Dialog, der auch die dunklen Seiten der jeweils eigenen Geschichte einbezieht“, sagte Fabritius und lobte in dem Zusammenhang die Rede von Polens Präsident Bronislaw Komorowski im Bundestag am 10. September.

          Mit Fabritius übernimmt erstmals ein nach dem Zweiten Weltkrieg geborener Politiker die Führung des BdV. Der Siebenbürger Sachse kam 1965 in Rumänien zur Welt und gelangte 1984 als Aussiedler nach Deutschland. Künftig wolle sich der BdV noch stärker um die Belange der deutschen Minderheiten in Osteuropa kümmern, sagte Fabritius. Dazu zähle die Förderung des Deutschunterrichts. „Es ist unglaublich wichtig, dass unsere Landsleute, die noch in den Herkunftsgebieten leben, ihre deutsche Sprache als Muttersprache lernen können, damit sie in ihrer Identität bestärkt werden“, sagte er.

          Auch nach dem Ableben der Generation der gleich nach dem Krieg Vertriebenen sieht Fabritius für den BdV große Aufgaben. Dazu zählt er den „Brückenbau“ zwischen Deutschland und den Ländern im Osten. Die Mitglieder hätten hier eine „Sonderkompetenz“, weil sie in unterschiedlichen Ländern und Gesellschaften aufgewachsen seien. Hinzu kämen die Kulturgutsicherung und der Erinnerungstransfer. „Der BdV ist mit Sicherheit kein sterbender Verband“, betonte Fabritius.

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