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Bulgaren in Deutschland : Alles was kommt

14 Personen in Zwei-Zimmer-Apartements

Geprüft wird derzeit, ob das auch auf ein größeres Betrugsverfahren zutrifft, das die Staatsanwaltschaft Frankfurt derzeit bearbeitet. Ende Januar durchsuchten rund hundert Polizisten einen ganzen Wohnblock in Frankfurt-Sossenheim - nachdem die Fahndungsgruppe für Sozialkriminalität der Frankfurter Polizei gemeinsam mit der Abteilung für Wirtschaftskriminalität der Staatsanwaltschaft und dem Zoll ein Jahr lang ermittelt hatte.

Die Razzia in der Wohnanlage „Westpark“ dauerte bis zum frühen Morgen. Am Ende hatte sich der Verdacht bestätigt, dass ein 48 Jahre alter Deutschtürke über Jahre hinweg fast eine Million Euro mit der illegalen Unterbringung und Vermittlung bulgarischer Arbeiter erwirtschaftet hatte. Insgesamt 39 Wohnungen, in denen ursprünglich Sozialhilfeempfänger lebten, hatte er illegal an Bulgaren weitervermietet.

An die Unterkünfte war Duran Ö. gelangt, indem er die Sozialhilfeempfänger dazu überredete, gegen ein Entgelt bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Ihre Wohnungen, die vom Jobcenter finanziert wurden, vermietete Duran Ö. dann gegen einen monatlichen Betrag von 210 Euro pro Person an die südosteuropäischen Arbeiter weiter. Bis zu acht Personen brachte er in den Zwei-Zimmer-Apartments unter; in Einzelfällen sollen es sogar 14 gewesen sein.

„Wir arbeiten alles“

Duran Ö. besorgte den Bulgaren Gewerbeanmeldungen, mit denen sie später als Scheinselbständige auf dem Bau oder im Reinigungsgewerbe arbeiten konnten. In einer der Wohnungen hatte Duran Ö. ein Büro eingerichtet, von dem aus er die lukrativen Geschäfte steuerte. Gegen Bezahlung bot er Dienstleistungen an, auf die die Bulgaren wegen ihrer geringen Deutschkenntnisse angewiesen waren.

Die Dienste reichten von Übersetzungshilfen bis zum Anmelden beim Einwohnermeldeamt. Allein dafür kassierte Duran Ö., dem Steuerhinterziehung, Mietwucher, Beihilfe zur Untreue und Verstöße gegen das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz vorgeworfen werden, rund 150 Euro pro Person. Unklar ist derzeit noch, wer die Auftraggeber sind, welche die Bulgaren beschäftigten. Möglicherweise werden auch sie noch ermittelt.

Genau danach suchen die Behörden auch bei Familie Petrova. Doch konkrete Hinweise auf Vermittler und Hintermänner gibt es noch nicht. „Wir leben hier gut“, sagt der älteste Sohn der Familie, den Teller mit Fleisch und Kohlrabi noch immer vor sich auf dem Tisch. „Wir arbeiten alles. Alles, was kommt.“ Demnächst wird das Ordnungsamt die Behausung kontrollieren, gemeinsam mit dem Amt für Wohnungswesen. Wenn die Petrovas Glück haben, wird der Vermieter auf Anordnung der Stadt den Schimmelfleck entfernen, der sich großflächig in der Ecke des Zimmers ausgebreitet hat, in dem die Petrovas schlafen. Draußen vor der Tür stehen die lehmverschmierten Bauarbeiterstiefel von Vater und Sohn. Morgen früh geht es wieder auf den Bau.

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