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Bürgschaft für Schalke? : Eine Geschichte der Misswirtschaft

Ruhm vergangener Zeiten: Blick in die Schalker Fankurve Bild: dpa

Ministerpräsident Laschet geht auf Distanz zum Fleischunternehmer Tönnies und möglichen Bürgschaften für Schalke 04. Dabei mischt die Politik schon jetzt vielerorts mit – und belastet öffentliche Kassen.

          6 Min.

          Schon gut eine halbe Stunde stellt sich der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Dienstagmorgen in der Düsseldorfer Landespressekonferenz fast ausschließlich Fragen zum Thema Corona-Pandemie, als schließlich auch die Rede auf Schalke 04 kommt. Das „Handelsblatt“ und die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ hatten berichtet, der Fußballklub aus Gelsenkirchen habe eine Landesbürgschaft in Höhe von 40 Millionen Euro beantragt. Viele Sportvereine und auch der Profifußball werden durch die Corona-Krise hart gebeutelt. Zusammen mit seinem Amtskollegen Markus Söder (CSU) aus Bayern legte sich Laschet im Frühjahr mächtig dafür ins Zeug, dass die Liga ihren Spielbetrieb – wenn auch unter strengen Corona-Regeln – wieder aufnehmen durfte. Laschet selbst ist seit Kindesbeinen schwer fußballbegeistert. Sein starkes Engagement für den Fußball erklärt sich allerdings vor allem damit, dass Nordrhein-Westfalen mit Abstand das Bundesland mit den meisten Bundesligavereinen ist.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Doch statt sich als Retter in höchster Not zu stilisieren, legt Laschet am Dienstag Wert auf maximale Neutralität. Als er die Berichte zu Schalke 04 gelesen habe, habe er sich erst einmal erkundigt. „Nach meiner Kenntnis gibt es keine Entscheidung in irgendeiner Bürgschaftsfrage“, sagt Laschet. Auch Berichte, der Bürgschaftsausschuss werde den Zuschlag an diesem Mittwoch bekanntgeben, könne er nicht bestätigen. „Darüber hinaus unterliegen Bürgschaften der Vertraulichkeit.“ Inzwischen habe er zudem „recherchiert“, dass es seit 1995 unter Landesregierungen ganz unterschiedlicher Couleur „eine ganze Menge“ Bürgschaften an Fußball- und Sportvereine gegeben habe, die „nie Gegenstand einer öffentlichen Erörterung“ gewesen seien. Dass es zu solchen Vorgängen keine öffentlichen Spekulationen der Regierung gebe, sei eine seit 30 Jahren geübte „Staatspraxis“. Bürgschaften würden stets vertraulich und nach strengen Kriterien geprüft, insofern „wird es mit Sicherheit keine Lex Schalke geben“.

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