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Städte in NRW : Eine Bürgerwehr von Rechtsextremen, Hooligans und Rockern

Keine Transparente, keine Sprechchöre: Aber mit Luftballons demonstrieren die „Steeler Jungs“ im Essener Stadtteil. Bild: FUNKE Foto Services

Durch Essen wie auch andere Städte in Nordrhein-Westfalen marschieren „bürgerwehrähnliche Gruppierungen“. Der Verfassungsschutz warnt vor einer gefährlichen Mischszene – die in die Mitte vordringen will.

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          Immer Donnerstagabends gegen halb sechs versammelt sich vor der „Sportsbar 300“ im Essener Stadtteil Steele ein merkwürdiges Grüppchen aus Biertrinkern und Rauchern. Ein paar Frauen sind darunter, wenige ältere Herren. Bei den meisten aber handelt es sich um bullige Männer mit rasierten Schädeln, die auf ihren Stiernacken oder auf ihren massigen Ober- und Unterarmen Runen-Tattoos tragen. Breitbeinig beanspruchen sie nicht nur den Bürgersteig, sondern auch einen Teil der Straße für sich. Auf ihren schwarzen Pullis geben sie sich als Mitglieder der „Bruderschaft Deutschland“, als fanatische Fans des Fußballvereins Rot-Weiss Essen oder als Anhänger des rechtsextremen Prügelspektakels „Kampf der Nibelungen“ zu erkennen. Am häufigsten aber steht auf den breiten Rücken: „First Class Crew. Steeler Jungs“ und „Steeler Jungs sind immer da“. So viel ist schon mal klar: Es ist keine After-Work-Party, zu der sich die Leute verabredet haben, kein harmloser Feierabendschoppen.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Seit April 2018 treffen sich Donnerstag für Donnerstag 50, 70, manchmal 100 „Steeler Jungs“ vor der „Sportsbar 300“, um gegen 18 Uhr zu einem „Spaziergang“ durch die Einkaufsstraßen aufzubrechen. Was das soll, blieb zunächst nebulös. Bis heute ziehen die „Steeler Jungs“ ohne Transparente durch die Straßen und rufen keine Parolen. Angeblich geht es der Gruppe darum, das Gefühl von mehr Sicherheit in den Abend- und Nachtstunden zu vermitteln, und darum, an das Steele ihrer Kindheit zu erinnern.

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