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Schwäbisch Gmünd : Bürgermeister steht nach Einhorn-Bodypainting in der Kritik

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) steht neben der verkleideten Stadträtin von Schwäbisch Gmünd, Cynthia Schneider (die Linke). Bild: dpa

Bürgermeister Richard Arnold hatte zur Eröffnung einer interkommunalen Gartenschau eine ausgefallene Idee, um seine Stadt Schwäbisch Gmünd zu repräsentieren. Allerdings sind längst nicht alle davon begeistert.

          Richard Arnold ist mit Abstand der populärste CDU-Oberbürgermeister in Baden-Württemberg. Der 60 Jahre alte Rathauschef von Schwäbisch Gmünd ist ein volksnaher Schaffer, der bei sommerlichen Gartenfesten gern mitschunkelt und für eine Ansprache auch mal schnell auf den Tisch springt. Würde man ihn rufen, in die Landespolitik zu wechseln, würde er wohl nicht lange zögern. Aber vor allzu populären Politikern und Querköpfen haben weniger populäre Politiker ja meistens große Angst.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zur Eröffnung der ersten interkommunalen Gartenschau, die sich von der Remsquelle in Essingen bis nach Remseck in der Nähe Ludwigsburgs erstreckt, hatte Arnold eine außergewöhnliche Idee: Er schlug vor, das Maskottchen der Stadt, das Einhorn, in Form einer Body-Painting-Figur zur Feier mitzubringen. Die Wahl fiel auf die Gewerkschaftsmitarbeiterin und linke Stadträtin Cynthia Schneider. Bei der Eröffnungsfeier in Schorndorf in der vergangenen Woche umlagerten dann zahlreiche Kinder, verkleidet als Gartenschau-Maskottchen in „Remsie-Kostümen“, das Fabelwesen. Oberbürgermeister Arnold erklärte dort stolz: „So sehen bei uns im Ostalbkreis Stadträtinnen aus.“

          Auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann soll etwas irritiert gewesen sein, als die 37 Jahre alte Frau Schneider im Body-Painting-Kostüm plötzlich vor ihm stand, obwohl Body-Painting-Darsteller ja heute auf fast jedem Stadtfest zu sehen sind. Arnold gab dann auch noch die Identität der Darstellerin preis. Das war so nicht vorgesehen, und deshalb hagelt es jetzt Kritik: Die Linkspartei wirft ausgerechnet dem liberalen, homosexuellen CDU-Politiker Sexismus und einen Vertrauensbruch vor.

          Ein „ästhetisches Fabelwesen“

          Das liegt sicher auch daran, dass in Baden-Württemberg in eineinhalb Wochen die Gemeinderäte gewählt werden. Ein Sprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd sagte, der Oberbürgermeister sei mit Frau Schneider „ständig im Gespräch“; er bedauere es, sie als Politikerin der Linkspartei in den Mittelpunkt gerückt zu haben. „Dass Cynthia Schneider nun derart unter Druck steht, das bedauert Richard Arnold ausdrücklich. Für die Aktion selbst entschuldigt er sich aber nicht.“ Denn man habe sich bewusst für die Linken-Stadträtin entschieden, weil sie über private Erfahrung als Body-Painting-Model verfüge. Außerdem stamme der vielfach prämierte Body-Painter Udo Schurr ebenfalls aus der Region. „Da sollte nicht eine linke Politikerin blank ziehen, sondern das Body-Painting funktioniert nur, wenn das Model Erfahrung hat, es Vertrauen zu dem Künstler hat und auch nicht rumzappelt“, sagte Arnolds Sprecher im Gespräch mit F.A.Z. Dass die PR-Aktion mit Sexismus und Erotik nichts zu tun gehabt habe, zeige ja auch, dass die Kinder vom Auftritt des „ästhetischen Fabelwesens“ begeistert gewesen seien. Im Übrigen hätte man ja auch einen Mann in das Body-Paint-Kostüm stecken können. Richard Arnold nahm am Mittwoch Termine in Berlin wahr.

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