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Buch-Passagen abgeschrieben? : Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock

Unter Druck: Grünen-Kanzlerkandidatin Baerbock vergangene Woche in Potsdam Bild: dpa

Die Kanzlerkandidatin der Grünen soll Passagen in ihrem kürzlich erschienenen Buch abgeschrieben haben, wirft ihr ein Plagiatsgutachter vor. Die Grünen sprechen von versuchtem Rufmord.

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          Nach der Auseinandersetzung um ihren Lebenslauf sind nun Plagiatsvorwürfe gegen die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, erhoben worden. Wie die Zeitschrift Focus berichtet, wurden ganze Passagen ihres am 21. Juni erschienenen Buches „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ abgeschrieben. Das hat der österreichische Plagiatsgutachter und Kommunikationsforscher Stefan Weber der Zeitschrift bestätigt.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Baerbock, die sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert hat, oder ihr Ghostwriter sollen aus unterschiedlichen Quellen plagiiert haben – zum Teil aus anderen Büchern, aus einer urheberrechtlich geschützten Veröffentlichung der Bundeszentrale für Politische Bildung, aus Beiträgen des amerikanischen Politikwissenschaftlers Michael T. Klare und aus der Zeitschrift Der Spiegel. So erwähnt Baerbock in ihrem Buch zwar dessen Recherchen, kennzeichnet aber nicht den Artikel als Quelle. Dort heißt es: „Der Wettbewerb scheint auch weltweit eröffnet. In Amsterdam ist ein 130 Meter hohes Holzhochhaus geplant, in Chicago ein 228 Meter hohes und in Tokio eines mit 350 Metern Höhe.“ Im ursprünglichen Artikel aus dem Jahr 2019 hieß es: „Und der Rekord dürfte früher oder später ohnehin gebrochen werden: In Amsterdam ist ein 130 Meter hohes Holzhaus geplant, in Chicago ein 228 Meter großes und in Tokio eines mit 350 Meter Höhe.“

          Der Ullstein-Verlag, in dem Baerbocks Buch erschienen war, wies die Vorwürfe gegenüber Focus Online zurück. Das Manuskript des Buches sei sorgfältig lektoriert worden. Allgemein zugängliche Fakten aufzuzählen sei ebenso wenig urheberrechtlich geschützt wie einfache Formulierungen, die solche Fakten transportierten. „Wir können keine Urheberrechtsverletzungen erkennen“, heißt es in einer Stellungnahme des Verlags.

          Die Grünen verwehrten sich gegen die Plagiatsvorwürfe. „Das ist der Versuch von Rufmord“, erklärte ein Parteisprecher. „Wir weisen den Vorwurf einer Urheberrechtsverletzung entschieden zurück.“ Ein Blogger, der bereits falsche Behauptungen zu Frau Baerbocks Abschluss verbreitet habe, versuche abermals, „bösartig“ den Ruf der Parteivorsitzenden zu beschädigen, erklärte der Sprecher.

          Baerbocks Anwalt Christian Schertz wies die Plagiatsvorwürfe ebenfalls zurück und sagte: „Ich kann nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung erkennen“, da es sich nur um die Wiedergabe allgemein bekannter Fakten und politischer Ansichten handele. Weder Nachrichten noch historische Tatsachen oder allgemein bekannte Erkenntnisse seien urheberrechtsschutzfähig.

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