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Buback-Mord : Frühere RAF-Terroristin Becker will aussagen

  • Aktualisiert am

Verena Becker heute Bild: dapd

Nach mehr als anderthalb Jahren im Prozess um die Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback will sich die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker erstmals zu den Tatvorwürfen äußern.

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          Im Prozess um den Mordanschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback zeichnet sich eine überraschende Wende ab: Die angeklagte frühere RAF-Terroristin Verena Becker will ihr Schweigen brechen und sich erstmals zu den Vorwürfen äußern, wie ihr Anwalt nach Angaben eines Gerichtssprechers am Donnerstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart ankündigte. Demnach will sie am 14. Mai eine 15 Minuten lange Erklärung verlesen.

          Becker wird Mittäterschaft an dem Mordanschlag auf Buback und zwei seiner Begleiter am 7. April 1977 vorgeworfen. Die heute 59 Jahre alte soll laut Anklage maßgeblich an der Entscheidung für das Attentat sowie dessen Planung und Vorbereitung beteiligt gewesen sein. Seit dem Prozessauftakt am 30. September 2010 hatte Verena Becker jede Aussage zu den Anschuldigungen verweigert. Bei dem Anschlag der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten Personen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt.

          DNA-Spuren und verdächtige Notizen

          Der Bundesanwaltschaft zufolge gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass Becker damals auch selbst geschossen hat. Dies will Michael Buback, der Sohn des Opfers, beweisen und tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf. Die Bundesanwaltschaft stützt ihren Verdacht der Mittäterschaft neben DNA-Spuren Beckers an Bekennerbriefen zum Anschlag auch auf beschlagnahmte persönlichen Notizen der Angeklagten sowie zwei gerichtsverwertbare Vermerke des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom 1981 und 1982.

          Der RAF-Aussteiger Peter-Jürgen Boock hatte in dem Prozess zudem ausgesagt, Becker habe den von der im Stammheimer Gefängnis sitzenden RAF-Führungsriege in Auftrag gegeben Mord damals für richtig gehalten und „vehement unterstützt, was die Stammheimer wollten“. Becker sei aber keine Wortführerin gewesen und habe in der Gruppe auch „keine herausragende Rolle gespielt“. Becker war 1974 wegen eines Bombenanschlags auf den British Yacht Club in Berlin mit einem Toten zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren verurteilt worden.

          Im Zusammenhang mit der Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz im Februar 1975 wurde sie dann freigepresst und mit anderen Linksextremisten in den Jemen ausgeflogen. Rund vier Wochen nach dem Mordanschlag auf Buback wurde Becker am 3. Mai 1977 zusammen mit dem RAF-Mitglied Günter Sonnenberg in Singen festgenommen, wobei bei ihr auch die Mordwaffe des Karlsruher Attentats gefunden wurde. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei verletzten sie und Sonnenberg zwei Beamte. Becker wurde deshalb und nicht wegen des Mordes an Buback zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach zwölfjähriger Haft wurde sie dann vom damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker begnadigt.
           

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