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Krebsbluttest aus Heidelberg : Die „Weltsensation“, die keine war

Mit diesem Foto wurde der vermeintliche Wundertest in der Bild-Zeitung vermarktet. Bild: Jonas Ratermann/Bild

Das Heidelberger Universitätsklinikum verliert seit dem Skandal um den Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs an Reputation. Wie kam es dazu, dass die vermeintliche „Weltsensation“ in der „Bild“-Zeitung vorgestellt wurde?

          7 Min.

          Das Heidelberger Universitätsklinikum ist für viele tausend schwer krebskranke Menschen die letzte Rettung. In der Bauchspeicheldrüsen-Chirurgie oder mit dem Ionenstrahl-Therapiezentrum steht das Klinikum an der Spitze des medizinischen Fortschritts in Europa, ja in der Welt. Seit Ende März allerdings sieht sich die älteste medizinische Fakultät Deutschlands in einem beispiellosen Abwärtsstrudel. Die Heidelberger Mediziner, die mit den Forschern des Deutschen Krebsforschungszentrums eng zusammenarbeiten, verlieren immer mehr an Reputation. Denn vor drei Wochen musste sich die Klinikleitung entschuldigen, weil die Wissenschaftler etwas angekündigt hatten, was es noch gar nicht gibt – einen „marktfähigen Bluttest“, um Brustkrebs früh zu erkennen.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Universitätsleitung und vor allem der Direktor der Frauenklinik, Professor Christof Sohn, verstießen damit gegen das wichtigste Grundprinzip der Schulmedizin: das medizinische Handeln auf das unzweifelhaft Erkennbare stützen, die Evidenz. Die Klinikärzte kündigten den angeblichen „Meilenstein“ großartig an, wurden von der „Bild“-Zeitung als Entdecker einer „Weltsensation“ und als Hervorbringer „revolutionärer Ergebnisse“ gefeiert, konnten dann aber nur wenig vorweisen. Bis heute gibt es weder eine abgeschlossene Studie noch eine Veröffentlichung über den Test in einer renommierten Fachzeitschrift. Beides aber sind unabdingbare Voraussetzungen, um mit neuen medizinischen Forschungsergebnissen glaubwürdig an die Öffentlichkeit zu gehen. Um Forschungsergebnisse zu publizieren, nutzen Wissenschaftler normalerweise Internetportale mit Wissenschaftsnachrichten, wie zum Beispiel „EurekAlert!“, nicht aber die „Bild“-Zeitung. Das wirft die Frage auf, was die Klinikmanager mit der Sensationsmeldung bezwecken wollten: Waren sie von ökonomischen Interessen angetrieben oder doch nur durch pure Eitelkeit?

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