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Rotes Kreuz zu Corona-Panne : „Unsere Leute standen bei 40 Grad in den Testzelten“

Ein Mitarbeiter des Bayerischen Roten Kreuzes nimmt an einem Corona-Testzentrum an der Rastanlage Hochfelln-Nord Abstriche bei Autoreisenden. Bild: dpa

Das Bayerische Rote Kreuz sprang ein, um schnell Testkapazitäten für Reiserückkehrer zu schaffen – und steht nach der Panne in der Kritik. Doch nicht das Ehrenamt habe versagt, sagt der stellvertretende Landesgeschäftsführer.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Herr Obermair, trägt das Bayerische Rote Kreuz eine Mitschuld an den Pannen bei den Corona-Tests?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Nein. Die Dienstleistung ist sehr kurzfristig abgefragt worden. Es waren überhaupt nur die bayerischen Hilfsorganisationen in der Lage, das so kurzfristig zu machen. Wir waren verantwortlich für das Aufbauen der Infrastruktur, zusammen mit den lokalen Partnern: Landespolizei, Autobahndirektion, Technisches Hilfswerk. Unsere Leute haben die Abstriche gemacht, sie mit den Erfassungsbögen gesammelt und sie dann tageweise an die Labore weitergegeben. Der Schritt, wann wird der Reiserückkehrer informiert, war nie in unserer Zuständigkeit, sondern Sache der Gesundheitsbehörden.

          Woher stammen dann an Sie gerichtete Vorwürfe?

          Wir haben primär aus dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gehört, dass die Leistung, die unsere Ehrenamtlichen erbracht haben, nicht den Qualitätsstandards entsprochen hätten, die sie sich vorgestellt haben. Die Gesundheitsministerin und der Innenminister haben unsere Arbeit dagegen mehrfach als hochprofessionell gelobt. Deswegen verstehen wir die momentane Debatte auch nicht.

          Aber an den Teststationen waren Sie ja doch. Haben Sie da mal darauf hingewiesen, dass etwas nicht rund läuft?

          Wir haben von Anfang an gesagt, dass es wichtig ist, eine Hotline aufzubauen. Das wurde dann ja auch vergangene Woche gemacht – aber eben erst, als die Tests schon liefen. Wir haben auch darauf hingewiesen, dass es von Vorteil wäre, wenn der Prozess digital ablaufen würde. Aber die entsprechenden technischen Möglichkeiten standen eben nicht zur Verfügung. Wir haben die nicht. Die Privaten bringen es jetzt anscheinend mit.

          Wolfgang Obermair ist stellvertretender Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes.
          Wolfgang Obermair ist stellvertretender Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes. : Bild: Deutsches Rotes Kreuz

          Ärgert es Sie, wenn nun gesagt wird, Private müssten für die Professionalisierung sorgen?

          Es ärgert uns nicht. Wir haben gesagt, wir stehen so lange zur Verfügung, bis ein Privater in der Lage ist, die Dienstleistung zu übernehmen. Der hat jetzt nochmal 14 Tage mehr Vorlauf gehabt, um sich vorzubereiten. Und die Infrastruktur, die wir über Nacht aufgebaut haben, steht den Privaten ja auch zur Verfügung.

          Wurde die Zahl derer unterschätzt, die das Testangebot angenommen haben?

          Nein. Die mehr als 60.000, die allein wir getestet haben, sind zwar beachtlich. Aber im Gespräch mit der Staatsregierung wurde von Anfang an von einer Größenordnung von 16.000 am Tag ausgegangen, das wären in dem Zeitraum, in dem wir tätig waren, über 190.000 gewesen. Wir haben unser Personal auch entsprechend vorgehalten. Es gab ja auch ganz wenige Staus an den Teststationen. Der Prozess von unserer Seite ist also, glaube ich, gut abgelaufen. Trotzdem haben wir viele Beschwerden bekommen. Bis zu 150 Anrufe am Tag gab es, die Leute haben uns dafür verantwortlich gemacht, dass sie kein Testergebnis bekommen.

          Bereuen Sie den Einsatz?

          Nein. So etwas gehört zu unseren Aufgaben. Aber es ist wichtig klarzustellen, dass nicht das Ehrenamt versagt hat, sondern dass die Verantwortlichkeit in nachgelagerten Strukturen zu suchen ist. Wir wollen das Ehrenamt schützen. Unsere Leute standen bei 40 Grad in den Testzelten. Dann ist es bitter zu hören, dass der Einsatz möglicherweise sinnlos war, weil die positiv Getesteten nicht rechtzeitig ihre Ergebnisse bekommen.

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          Finden Sie die Strategie Söders generell richtig, so viel wie möglich zu testen?

          Wir halten das für eine sehr gute Idee. Im bevorstehenden Herbst, wenn zum Beispiel die Schule wieder begonnen hat, wird das unerlässlich sein. Aber für so ein Großprojekt wäre eine längere Reifezeit sicher vorteilhaft gewesen.

          Ist Ihr Einsatz jetzt beendet?

          Ja. Seit Montag wurden die Teststationen schrittweise an einen privaten Dienstleister übergeben. An den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg ist das am heutigen Donnerstag passiert. Das waren die letzten Einsatzorte.

          Wolfgang Obermair ist stellvertretender Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes.

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