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Brigitte Mohnhaupt : Baaders Bevollmächtigte

Brigitte Mohnhaupt in früheren Jahren Bild: AP

Bei der RAF war Brigitte Mohnhaupt für Logistik und Waffen zuständig. Der von ihren Fähigkeiten beeindruckte Andreas Baader übertrug ihr aus dem Gefängnis in einer Geheimbotschaft „'ne Art Befehlsgewalt“. Eine Biographie des Terrors.

          Brigitte Mohnhaupt war die „Generalbevollmächtigte“ des in Stammheim einsitzenden RAF-Gründers Andreas Baader. In einer im Jargon der RAF-Kassiber „Big Raushole“ genannten Terroroperation sollte die damals 27 Jahre alte Mohnhaupt, die gerade aus der Haft entlassen worden war, im Frühjahr und Sommer 1977 versprengte „Illegale“ und neue Sympathisanten der „Roten Armee Fraktion“ um sich sammeln und im Untergrund für den „bewaffneten Kampf“ gegen das „Schweinesystem“ schlagkräftige „Kommandos“ formieren.

          Thomas Holl

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online.

          Den Weg in den Terror hatte die am 24. Juni 1949 in Rheinberg geborene Mohnhaupt über die Studentenbewegung in München gefunden, wo sie sich zunehmend politisch radikalisierte. Nach der Scheidung ihrer Eltern hatte sie zunächst noch bei ihrer Mutter gelebt und 1967 ihr Studium an der Philosophischen Fakultät in München aufgenommen. Dort lernte sie ihren späteren Mann Rolf Heißler kennen, der ebenfalls Mitglied der RAF wurde. Im Laufe des Jahres 1971 schloss sie sich der RAF an und ging erstmals in den Untergrund, wo sie für Logistik und die Beschaffung von Waffen zuständig war.

          „Eine Art Befehlsgewalt“

          Am 8. Februar 1977 wird Brigitte Mohnhaupt nach mehr als vier Jahren Haft aus der Justizvollzugsanstalt in Brühl entlassen, wo sie wegen „Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung“ und anderer Delikte einsaß. Von der Stuttgarter Kanzlei des RAF-Anwaltes Klaus Croissant aus steuert sie nun im Auftrag Baaders tatkräftig und willensstark die Reorganisation der „Roten Armee Fraktion“. Der von ihren Fähigkeiten beeindruckte Baader hatte Croissant und andere Unterstützer in einem aus seiner Zelle geschmuggelten Kassiber mitgeteilt, „dass die Mohnhaupt jetzt 'ne Art Befehlsgewalt hat“.

          Schon bei den Vernehmungen nach ihrer ersten Verhaftung als Mitglied der RAF am 9. Juni 1972 in West-Berlin hatte die zierliche, frühere Journalistikstudentin mit den langen blonden Haaren ihren Hass auf das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland und deren Repräsentanten zu Protokoll gegeben: „Für das Verhältnis zwischen uns, dem Gericht, der Justiz und der Bundesanwaltschaft ist der genaue Begriff Krieg.“ Die RAF sei eine „politisch-militärische Organisation“, die Bundesrepublik eine „US-Kolonie“.

          In der fünf Jahre nach diesen Sätzen folgenden „Operation 77“ sollte der deutsche Rechtsstaat von Mohnhaupts Terror-Kommandos mit Attentaten und Entführungen zur Freilassung der Führungsriege der ersten RAF-Generation um Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe gezwungen werden.

          Buback, Ponto, Schleyer

          Als erstes prominentes Mordopfer wählen Mohnhaupt und ihre Gesinnungsgenossen als „obersten RAF-Verfolger“ Generalbundesanwalt Siegfried Buback aus. Am 7. April 1977 werden Buback und seine beiden Begleiter in Karlsruhe auf dem Weg ins Büro erschossen. Als Bubacks Dienstwagen an einer Ampel steht, hält daneben ein Motorrad mit zwei Männern. Der Sozius eröffnet aus einem Kurzgewehr das Feuer und gibt mindestens fünfzehn Schüsse ab. Drei Männer führen den dreifachen Mord aus, einer davon ist Mohnhaupts engster Kampfgefährte Christian Klar.

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