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Brief an deutsche Katholiken : Rätselhafte Post vom Papst

Zugleich warnt der Papst jedoch auch vor übereilten Reformen. Es bedürfe eines „langen Reifungsprozesses und der Zusammenarbeit eines ganzen Volkes über Jahre hinweg“. Hierbei muss es nach Auffassung von Franziskus darum gehen, Prozesse einzuleiten und fortzuführen, und nicht darum, „unmittelbare Ergebnisse mit voreiligen medialen Folgen zu suchen“. Was er damit konkret meint, bleibt offen. Einige Stellen in Franziskus’ Brief erinnern an seinen Vorgänger Benedikt XVI., der in seiner Freiburger Rede 2011 eine „Entweltlichung“ der Kirche gefordert hatte und damit Verärgerung unter Repräsentanten des deutschen Katholizismus ausgelöst hatte.

Die Botschaft ist unklar

Etwa wenn Franziskus schreibt, dass eine der ersten und größten Versuchungen im kirchlichen Bereich darin bestehe, „zu glauben, dass die Lösungen der derzeitigen und zukünftigen Probleme ausschließlich auf dem Wege der Reform von Strukturen, Organisationen und Verwaltung zu erreichen sei“. Die Kirche müsse sich stattdessen auf die „Evangelisierung“ konzentrieren, also die Glaubensverkündigung, fordert der Papst. Sie müsse das „Leitkriterium schlechthin“ für das kirchliche Handeln sein. Franziskus ermahnt auch dazu, bei allen kirchlichen Debatten auf Ortsebene die Weltkirche nicht aus dem Blick zu verlieren. Er fügt jedoch hinzu: „Das bedeutet nicht, nicht zu gehen, nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen.“

Die ersten Reaktionen auf den Brief ließen bereits erkennen, dass Franziskus damit keineswegs mehr Klarheit geschaffen hat und wenig zur Überwindung der Gräben innerhalb der Bischofskonferenz beitragen dürfte. Sowohl Kritiker als auch Initiatoren des „synodalen Wegs“ sahen sich durch das Schreiben bestätigt. So teilten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, sowie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, mit: „Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiterzugehen.“

Der Generalvikar des Bistums Regensburg, Michael Fuchs, sagte hingegen mit Blick auf den „synodalen Prozess“, dass es nach diesem Brief „sicher“ kein „Weiter so“ geben könne. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hatte zwar für den „synodalen Weg“ gestimmt, jedoch später auch deutliche Kritik an aus seiner Sicht überzogenen Forderungen geübt. Wie der „verbindliche synodale Weg“ aussehen soll, den Kardinal Marx im März ankündigte, ist ohnehin nach wie vor unklar. Eine Synode wollten die Bischöfe nicht einberufen. Marx begründete das vor allem damit, dass man diese von Rom genehmigen lassen müsse und man so lange nicht mehr warten könne. Das Adjektiv „verbindlich“ fügte Marx offenkundig hinzu, um den Eindruck zu vermeiden, es handele sich lediglich um eine Neuauflage des vierjährigen „Dialogprozesses“ über die Zukunft der Kirche, der 2010 auf Initiative des damaligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, ins Leben gerufen worden war und 2015 weitgehend folgenlos endete. Franziskus schreibt zum „synodalen Weg“: „Was dieser konkret bedeutet und wie er sich entwickelt, wird sicherlich noch tiefer in Betracht gezogen werden müssen.“

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