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Bremen wählt : Eine Bürgerschaft mit vielen Gesichtern

  • Aktualisiert am

Juniorpartner CDU trifft auf Platzhirsch SPD Bild: AP

Von der Linkspartei bis zur rechtsextremen DVU: In Bremen bietet sich das gesamte politische Spektrum Deutschlands auf kleinstem Raum. Anders als in Berlin, hat bei der Wahl an diesem Sonntag die SPD das Sagen. Ein Überblick.

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          Von der Linkspartei bis zur rechtsextremen DVU: In Bremen bietet sich das gesamte politische Spektrum in Deutschland auf kleinstem Raum. Anders als in Berlin, hat bei der Wahl an diesem Sonntag aber die SPD das Sagen. Ein Überblick.

          Platzhirsch SPD

          In die Galerie meist ungemein populärer Bürgermeister wie Wilhelm Kaisen, Hans Koschnick und zuletzt Henning Scherf will sich Jens Böhrnsen mit einem deutlichen SPD-Wahlsieg am Sonntag einreihen. Die Chancen stehen gut, dass der 57 Jahre alte frühere Verwaltungsrichter und ehemalige SPD-Fraktionsvorsitzende den seit 1946 in Bremen regierenden Sozialdemokraten ein weiteres Erfolgserlebnis verschaffen wird, auch wenn die in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren selbstverständlichen absoluten Mehrheiten wohl nicht wiederkommen. Der anders als sein kontaktfreudiger Vorgänger Scherf zurückhaltende Böhrnsen ist in seiner Partei tief verankert und hat im Wahlkampf stolz auf seine urbremischen Wurzeln verwiesen.

          Bild: F.A.Z.

          Im Arbeiterviertel Gröpelingen als Sohn eines von den Nationalsozialisten verfolgten Gewerkschafters aufgewachsen, verfügt Böhrnsen über den nötigen SPD-Stallgeruch. Der plötzliche Tod seiner in Bremen beliebten Ehefrau Luise Morgenthal mitten im Wahlkampf und der offene Umgang mit seiner Trauer verschaffte ihm viel Sympathie und Mitgefühl in der Stadt. In seiner hanseatisch-höflichen Art verkörpert Böhrnsen auch die von Wilhelm Kaisen begründete und für den Erfolg der Bremer SPD entscheidende Partnerschaft von „Kaufleuten und Arbeitern.“ In der SPD trauen ihm viele den an der linken Basis herbeigesehnten Koalitionwechsel zu den Grünen, der auch im Interesse der Bundespartei und ihres um Profil kämpfenden Bundesvorsitzenden Kurt Beck liegen könnte. (holl.)

          Juniorpartner CDU

          In Bremen wirkt die CDU nach zwölf Jahren großer Koalition „sozialdemokratisiert.“ Mit diesem nicht ganz falschen Ettikett wollte Bürgermeister Böhrnsen (SPD) wohl seinen Koalitionspartner treffen. In der Tat wandte die Union sich im Wahlkampf weichen, klassisch sozialdemokratischen Themen zu, vor allem dem Schutz von Kindern statt ihrer üblichen Schlager Wirtschaft oder Sicherheit. Mit ihrem größten Erfolg als bürgerliche Regierungspartei, der deutlichen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in der Hansestadt, warb die CDU kaum. Das mag damit zusammenhängen, dass nicht Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek (CDU) Spitzenkandidat ist, sondern Innensenator Thomas Röwekamp. Der Bremerhavener hat die Verjüngung der bremischen CDU energisch vorangetrieben.

          Alle drei christlichen demokratischen Senatoren sind um die 40. Auch die Außendarstellung und die Wahlthemen der einstigen Daueropposition und Honoratiorenpartei sollen jugendlichen Schwung vermitteln. Doch in der Partei, die unbedingt Juniorpartner der SPD bleiben will, geht nichts ohne den 65 Jahre alten Bernd Neumann. Obwohl Neumann seit Ende 2005 als Staatsminister für Kultur und Medien in Berlin residiert, bestimmt er als seit 28 Jahren amtierender CDU-Landesvorsitzender im Hintergrund die Politik der großen Koalition im kleinsten Bundesland entscheidend mit. (vL.)

          Machthungrige Grüne

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