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Bremen : Rücktritt nach Sektdusche

  • Aktualisiert am

Unverständliche Sekttaufe Bild: dpa/dpaweb

Einen Tag nachdem er einem Obdachlosen bei einem Weinfest Sekt über den Kopf gegossen hat, hat Bremens Wirtschaftssenator Gloystein (CDU) Konsequenzen gezogen. SPD und Grüne reagierten zufrieden, die CDU sprach von einem „unglücklichen Vorgang“.

          Erleichterung, aber auch Bedauern hat in Bremen der schnelle Rücktritt von Wirtschaftssenator Peter Gloystein ausgelöst. Der CDU-Politiker hatte einem Obdachlosen bei einem Weinfest am Mittwochabend Sekt über den Kopf gegossen und sein Amt 24 Stunden später zur Verfügung gestellt.

          SPD und Grüne reagierten zufrieden auf den Schritt Gloysteins, die CDU sprach von einem „unglücklichen Vorgang“. SPD-Bürgermeister Henning Scherf dankte dem Senator für seine Arbeit und bekundete Respekt für die Entscheidung.

          Gloystein bedauert

          In einem Brief an Scherf schrieb Gloystein, er bedaure den Zwischenfall. Es sei nicht seine Absicht gewesen, den Betroffenen oder Obdachlose allgemein zu beleidigen oder zu diskriminieren. Die veröffentlichten Fotos des Vorfalls ließen aber eine differenzierte Wertung des Vorfalls nicht zu und bedeuteten eine Belastung für den Senat, die große Koalition und das Bundesland.

          Scherf sagte, Gloystein habe durch seinen Schritt Schaden von Bremen, Senat und Amt abwenden wollen. Dieser Wunsch verdiene Achtung. Er sei überzeugt, daß die Arbeit der Koalition „sachorientiert, fair und kollegial fortgesetzt werden wird“.

          SPD: Rücktritt „unausweichlich“

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jens Böhrnsen nannte den Rücktritt „unausweichlich“. Gloystein habe „dem Ansehen der Hansestadt schweren Schaden zugefügt“. Die SPD-Fraktion hatte dem Senator am Donnerstag den Rücktritt nahe gelegt.

          Die oppositionelle Grünen-Fraktion sprach von einer Frage der Menschenwürde und begrüßte den Rücktritt des Senators. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Karoline Linnert sagte am Freitag: „Gloystein hat die notwendigen Konsequenzen gezogen und so noch das Richtige getan, um weiteren Schaden von Bremen abzuwenden.“

          CDU-Landesvorsitzender Bernd Neumann bedauerte die Entscheidung Gloysteins, der „beste Voraussetzungen“ für sein Amt mitgebracht habe. Es sei schade, daß die Amtszeit des Senators durch den „unglücklichen Vorgang jetzt so zu Ende gegangen ist“.

          Anzeige wegen Körperverletzung und Beleidigung

          Gloystein hatte bei der Eröffnung der Deutschen Weinwoche am Mittwoch einem vor der Bühne stehenden Mann Sekt auf den Kopf gegossen. Die „Bild“-Zeitung und die „Syker Kreiszeitung“ hatten Fotos des Vorfalls und anschließender Szenen veröffentlicht. Gloystein hatte zunächst die Version verbreiten lassen, er habe dem Mann nur etwas zu trinken geben wollen.

          Weil dieser aber den Kopf weggezogen habe, sei er mit Sekt überschüttet worden. Das Opfer zeigte Gloystein wegen Körperverletzung und Beleidigung an. Gloystein bot ihm dann noch einen teuren Kugelschreiber als Wiedergutmachung an, was der Mann empört ablehnte.

          Früherer Bank-Manager

          Der 59 Jahre alte Gloystein war lange Zeit als Manager bei Banken tätig, bevor er 2004 Wirtschaftssenator und Stellvertreter Scherfs wurde.

          Der CDU-Politiker hatte im September die Nachfolge seines Parteifreundes Hartmut Perschau angetreten, der wegen einer Krankheit aufgeben mußte. Bremen wird von einer großen Koalition aus SPD und CDU regiert.

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