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Polizeieinsatz in Bremen : Mit Spürhunden und Schuhen zum Gebet

Samstagabend in Bremen: Polizei durchsucht das Islamische Kulturzentrum Bild: dpa

Eingetretene Türen, Stiefelabdrücke im Gemeinderaum: Der muslimische Verband bezeichnet die Durchsuchung einer Bremer Moschee im Rahmen des Anti-Terror-Einsatzes als demütigend. Die Polizei verteidigt sich, sie sei „so rücksichtsvoll wie möglich“ vorgegangen.

          Der Verein Islamisches Kulturzentrum in Bremen hat schwere Vorwürfe gegen die Polizei und die Innenbehörde erhoben, nachdem das Zentrum am Samstag vor dem Nachtgebet gestürmt und durchsucht worden war. Mohammad Omar Habibzada vom Vorstand der Gemeinde präsentierte am Dienstagabend auf einer Pressekonferenz im Kulturzentrum drei von der Polizei eingetretene Türen sowie vier Zeugen, die die Erstürmung unmittelbar miterlebt hatten, darunter ein drei Jahre altes Kind. Der Verein werde sich juristisch gegen die Polizeiaktion wehren, kündigte er an.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Wir leben ganz normal in Bremen, wir sind normale Nachbarn, unsere Kinder gehen zusammen in die Schule. Wir sind einfache Gläubige“, versicherte Habibzada. Die Durchsuchung sei demütigend für die Gläubigen gewesen. Salafismus sei ein „Kampfbegriff“. Der Verein lehne den Begriff ab, ebenso die Vermerke des Verfassungsschutzes über den Verein in dessen jährlichen Berichten.

          Erstürmung als Einsatzübung?

          Die Gemeinde in der Breiten Straße besteht seit fünfzehn Jahren und wird so lange auch schon vom Verfassungsschutz beobachtet. Habibzada behauptete, an einem gegenüberliegenden Hochhaus seien Kameras installiert, die jede Bewegung am Kulturzentrum registrierten. Die Polizeiaktion bezeichnete er als Wahlkampf in Bremen. Zudem sprach er die Vermutung aus, dass die Erstürmung durch die Polizei auch als Übung gedient habe, denn einen Tag später sei am gegenüberliegenden Haus eine Geiselbefreiung geübt worden. Der Gemeinderaum sei durch Stiefel und den Einsatz von Hunden geschändet worden.

          Den Bremer Behörden freilich gilt das Kulturzentrum tatsächlich als ein Ort, der mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht wird. Am Samstag hatten schwerbewaffnete Polizisten das Zentrum gestürmt. Es war das vierte Mal in den zurückliegenden Jahren, dass die Polizei das Gebäude durchsuchte. Diesmal vermutete sie Maschinenpistolen in den Räumen. Aus Sicht der Bremer Innenbehörde war Gefahr im Verzug. Deshalb das rasche und massive Handeln.

          „Wir sind jetzt noch am Aufräumen“

          Auf der Pressekonferenz im Islamischen Kulturzentrum schilderten die Betroffenen dramatische Szenen. Die Polizisten seien auf einmal hereingestürmt und hätten alle Gläubigen aufgefordert, sich auf die Erde zu legen, wo sie dann stundenlang hätten verharren müssen. Einigen Männern und Jugendlichen seien Handfesseln angelegt worden. Von allen wurden Personalien aufgenommen. Männer ohne Bart seien als erste fortgeschickt worden, Männer mit hätten länger ausharren müssen. Ein älterer Mann mit gesundheitlichen Problemen musste mit dem Krankenwagen abgeholt werden. Die Spürhunde waren für die Muslime eine Provokation, weil ihnen Hunde als unrein gelten.

          Aufgebrochene Türen werden bei der Pressekonferenz gezeigt.

          Das alles dauerte nach Darstellung der Polizei eine Stunde lang, der Verein spricht von mehreren Stunden: Erst gegen 20.50 Uhr sei die Aktion beendet gewesen. Die Polizei habe außerdem das Nachtgebet unterbunden und die Gläubigen nach Hause geschickt. Der Verein sagt, die Polizei habe regelrecht gewütet: „Wir sind jetzt noch am Aufräumen.“ Waffen wurden im Islamischen Kulturzentrum nicht gefunden, aber Laptops, weitere Datenträger und Papiere beschlagnahmt. Die werden derzeit durch die Staatsanwaltschaft noch ausgewertet.

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