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Trumps Internettruppe : Wie Breitbart News in Deutschland Stimmung macht

  • -Aktualisiert am

Sprachrohr der rechtsextremen „Alt-Right-Bewegung“

In den Vereinigten Staaten sind Webseiten wie Breitbart News so erfolgreich, dass man ihnen mit der Frage nach Belegen oder auch dem Gegenbeweis kaum mehr beikommt. Der Begriff „Fake News“ kann dort mittlerweile auch eine abweichende Meinung bezeichnen. Das macht es den Rechtsextremen von der Alt-Right-Bewegung leicht, die Bezeichnung als vermeintliches Bemühen der „Mainstream-Medien" auszugeben, den Bürgern die Ansichten des Establishments einzutrichtern.

Lassen sich für ein Gerücht keine Belege finden, beweist das nach Ansicht der Verschwörungstheoretiker erst recht das Geschick der „Eliten“, die Wahrheit zu verschweigen. Breitbart und Co. prägen so maßgeblich die Wahrnehmung ihrer Leser. Anfang Dezember schoss ein bewaffneter junger Mann in einer Pizzeria in der amerikanischen Hauptstadt Washington um sich um einer Geschichte über einen angeblichen Pädophilen-Treffpunkt „auf den Grund zu gehen", die seit Ende Oktober in sozialen Netzwerken und in den Medien kursiert.

Auch ein Bundestagsabgeordneter fällt darauf rein

In Deutschland verbreitete sich die „Breitbart“-Nachricht über die angeblichen Angriffe auf die Kirche in Dortmund sehr schnell. Zunächst hatte die österreichische Internetseite „Wochenblick.at“, die der rechtspopulistischen FPÖ nahestehen soll, den Bericht aufgegriffen, wie der Fachdienst „meedia“ schreibt. Demnach wurde der tendenziöse Artikel von „Wochenblick“ mit dem Titel „Silvester in Dortmund: ‚Allahu Akbar‘ und Kirchenbrand“ auf Facebook innerhalb kürzester Zeit über 800 Mal geteilt und die Behauptungen wurden auch im Büro des Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann (CDU) gelesen. In einer Presseerklärung, die Hoffmann sofort verfasste, spricht er selbst von einem „Beschuss“ der Kirche. Auch der Bundespolitiker scheint auf die Falschmeldung reingefallen zu sein.

Seiten wie Breitbart News können dabei wohl von der Verunsicherung von Teilen der deutschen Bevölkerung über sogenannte „Qualitätsmedien“ profitieren. Die Kontroversen zur Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht 2016 oder die Vergewaltigung und der Tod einer Medizin-Studentin in Freiburg werden von manchen gezielt eingesetzt, um auf ein angeblich dahinter stehendes System oder bestimmte Perspektive von „Mainstream“-Journalisten hinzuweisen. Tatsächlich hat die Nachricht über die Dortmunder Silvesternacht Ähnlichkeiten zu den Vorfällen der Kölner Silvesternacht 2015. Im Gegensatz zu den Vorfällen in Köln vor einem Jahr waren die Ereignisse in Dortmund aber von einem anderen Kaliber.

Vorgeschmack auf Bundestagswahlkampf?

Die Internetseite „Wochenblick“ unterstellt zudem den „Ruhr Nachrichten“ in ihrem Artikel, die Vorfälle in Dortmund bewusst zu verharmlosen. Empörte Leser haben Peter Bandemann, dem Autor des ursprünglichen Berichts für die „Ruhr Nachrichten“, Hass-Nachrichten mit Bildern von abgetrennten Köpfen und ein Galgen-Foto geschickt. Auch unter dem Bericht des „Wochenblicks“ finden sich zahlreiche extreme und ausländerfeindliche Kommentare.

Die „Breitbart“-Meldung über die Silvesternacht in Dortmund könnte ein Vorgeschmack auf den Bundestagswahlkampf sein. Dann könnten Internetportale wie „Breitbart News“ verstärkt auf Missinformation und Verzerrung setzen, um das Vertrauen in etablierte Institutionen zu schmälern. Das Internetportal plant seine Expansion nach Deutschland und Frankreich. Damit ist wohl auch hierzulande mit mehr Meldungen wie über die Nacht in Dortmund zu rechnen.

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