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Breitband-Internet im Schwarzwald : Abgehängt

Technik von morgen mit Anschluss von gestern: Blick in die Produktion des Werkzeugherstellers Wiha in Schonach – ohne Glasfaser geht es nicht mehr Bild: Wohlfahrt, Rainer

Manager der Telekom reisten vor Jahr und Tag in den Schwarzwald, um schnelles Internet zu bringen. Doch wichtiger waren ihnen ihre Kupferkabel. So blieb alles beim Alten. Bis ein Landkreis die Sache selbst in die Hand nahm.

          Elektrischen Strom hat Schonach seit hundert Jahren. Vor mehr als zehn Jahren kam das erste Windrad. Aber auf eine schnelle Breitband-Versorgung muss der Ort noch ein paar Jahre warten. Vor dem Berghüsli blühen die Geranien. Von der Terrasse des Schwarzwaldhauses blickt man in das Schonacher Hochtal. Man sieht die Langenwaldschanze des Luftkurortes, auf der bekannte Skisportler wie Hansjörg Jäkle und Georg Hettich trainiert haben. Windräder krönen die Höhenzüge des Schwarzwalds. Fünf sind es mittlerweile. Noch immer lockt Schonach Touristen mit der angeblich „größten Kuckucksuhr der Welt“ in das 800 Meter hoch gelegene Tal. Der Ursprung des Ortes vor gut 900 Jahren waren drei Bauernhöfe. Die Grundlage des Schonacher Wohlstands von heute sind drei kleine Fabriken. Eine Firma produziert Achsen für BMW-Motorräder, ein auf Kunststoffspritzguss spezialisierter Hersteller Getriebe und Uhrwerke für Kuckucksuhren. Für Schonach gilt wie für die gesamte Industrie im Schwarzwald: Am Anfang waren die Uhrmacher. 800 Mitarbeiter haben die drei Fabriken.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Firma Wiha, die dritte Fabrik am Ort, baute ihre Produktionshallen nach dem Zweiten Weltkrieg in das enge und abgelegene Hochtal. Die Roboter in der Produktionshalle und die Kühe auf der Weide koexistieren in direkter Nachbarschaft - getrennt von einer Glasscheibe. Wilhelm Hahn ist ein junger Wirtschaftsingenieur. Vor wenigen Jahren übernahm er den Familienbetrieb, spezialisiert auf die Konstruktion und Produktion hochwertiger Werkzeuge, von seinem Vater. Ob er den Standort Schonach mit 250 Mitarbeitern hier im Schwarzwald noch lange halten kann, weiß er nicht. Vor zehn Jahren gefährdeten hohe Lohnstückkosten den Standort, heute ist es ein anderer Standortfaktor, der so wichtig ist wie der elektrische Strom vor hundert Jahren: eine schnelle Internetverbindung per Glasfaserkabel. Wiha produziert in Polen, Vietnam, der Schweiz und in Deutschland in eigenen Werken. So nah wie im vielbeschriebenen „globalen Dorf“ liegen die Standorte aber nicht beieinander. „Im hintersten Winkel von Vietnam habe ich eine Internetverbindung, die ist zehnmal so schnell wie die hiesige. Die Vietnamesen haben gar kein Kupferkabel. In unserem Werk in Vietnam gibt es einen direkten Zugang zum Internet per Glasfaserkabel“, sagt Wilhelm Hahn.

          Viele Prozesse können nicht abgebildet werden

          Achtzig Mitarbeiter und neun Roboter stellen in Schonach Schraubendreher, Sechskant-Steckschlüssel oder Dichtungsschaber her. Auf die Griffe ist fett „Made in Germany“ gedruckt. Ein Roboter nimmt Schraubenzieherklingen aus einem Lager, eine Spritzdruckmaschine presst Kunststoffgriffe. Der Roboter setzt den Griff auf die Klinge, transportiert ihn an die nächste Station, wo über die Klinge vollautomatisch eine Isolationsschicht gezogen wird. An einem anderen Arbeitsplatz in der überschaubaren Fabrik montiert eine Mitarbeiterin Drehmomentschraubenzieher. Die benutzen Fahrradmechaniker, damit sie die Schrauben bei sündhaft teuren Carbon-Rädern nicht überdrehen und die teuren Kohlefaserrahmen zerstören. Auf einem großen Monitor liest die Mitarbeiterin ab, welche Ausführung der Auftraggeber möchte: Welche Beschriftung soll auf dem Griff stehen? Welches Drehmoment ist gewünscht? Massenprodukte im strengen Sinn gibt es hier nicht. Der Kunde in den Vereinigten Staaten wählt ein Produkt aus, an den Werkbänken im Schwarzwald werden seine Wünsche erfüllt.

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