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Braunkohletagebau : Das Gegenteil von Landschaft

Moser ist zuversichtlich, dass die Kohlekraftwerke noch eine ganze Weile benötigt werden. Zwar seien Windräder sehr effektiv, solange der Wind weht, aber das Wetter kennt auch Flauten. Und Strom kann momentan kaum gespeichert werden. Das Kohlendioxid etwa einer Kraftwerksgeneration, schätzt Moser, könnte mit CCS gelagert werden. „Das ist nichts für die Ewigkeit, aber das ist etwas, was jetzt als Brückentechnologie notwendig ist.“ Der UN-Weltklimarat empfehle, den CO2-Ausstoß bis 2030 zu halbieren; und 25 Prozent der Einsparungen solle die Kohlendioxidabscheidung erbringen.

„Auch ohne Garzweiler gehen hier die Lichter nicht aus“

„RWE hat sich von CCS doch längst verabschiedet“, sagt dagegen Dirk Jansen, der sich als Geschäftsführer beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) seit Jahrzehnten an den Gruben und Kraftwerken im rheinischen Revier abarbeitet. „Die wollten die Fördermittel der öffentlichen Hand, aber die fließen jetzt zu Vattenfall.“ CCS sei viel zu teuer, außerdem verringert es den Wirkungsgrad der Kraftwerke um rund zehn Prozentpunkte. „Technologisch würde uns das in die frühen fünfziger Jahre zurück katapultieren“, sagt Jansen. „Wenn man Klimaschutz ernst nimmt, dann muss man aus der Braunkohle aussteigen.“ Für ihn ist klar, dass das weitaus schneller möglich sei als behauptet werde. „Auch ohne Garzweiler gehen hier die Lichter nicht aus.“ Aber auch er wäre schon froh, wenn endlich neue Kraftwerke gebaut würden, die eine effizientere Nutzung erlauben – Kraft-Wärme-Kopplung, Gas- und Dampfkraftwerke. „Die alten Möhren“, wie Jansen sie nennt, laufen teilweise seit 1955, aber RWE weigere sich, Zusagen zur Kraftwerkserneuerung einzuhalten. Dass sich Braunkohle rentiert, liege auch an dem alten Kraftwerkspark. „Die sind betriebswirtschaftlich schon lange abgeschrieben.“ So billig, wie immer getan werde, sei Braunkohle jedenfalls nicht.

Nachts ist Pesch hell erleuchtet vom Licht der nahen Bagger. Die Bewohner ziehen jetzt in eine Siedlung, die Immerath (neu) heißt – vor allem für ältere Menschen ist das nicht leicht. „Das ist ein schwieriger Prozess und mit vielen Emotionen behaftet“, sagt Bürgermeister Peter Jansen. „Das betrifft ja das ganze Leben.“ Seit 2007 wird gebaut: Bürgerhaus, Parkanlage mit Spielplatz, Sportplatz, Turnhalle und Friedhof – „nach langen Verhandlungen“, sagt Jansen. „Das Entschädigungsrecht stammt aus der Zeit nach dem Krieg. Die Rechte für die Bergbaubetreiber sind sehr stark.“ RWE musste jahrzehntelang nur sechzig Prozent der Kosten tragen, neun Prozent die Kommunen, der Rest wurde über die Städtebauförderung abgewickelt – also aus Landesmitteln. Doch in den letzten Jahren erkämpfte man sich kleine Erfolge: Der Tagebaubetreiber erklärt in einem Vertrag, bei den Entschädigungen bestimmte Regeln einzuhalten und der Stadt regelmäßig zu berichten. Die Stadt darf ihre Infrastruktur bauen, ohne dass sich der Energiekonzern bei der Planung einmischt. „Das ist nicht gesetzlich geregelt, man muss sich das alles erstreiten“, sagt Jansen.

Auch die Toten mussten umziehen

Gert Behr hat die Umsiedlung schon hinter sich, seit acht Jahren wohnt er in Neu-Otzenrath bei Jüchen. 2002 zogen er und tausend weitere Bewohner in ihre neuen Häuser ein, die Infrastruktur folgte erst 2004. Kinder mussten mit Taxis zum Sport kutschiert werden, und Tote wurden provisorisch auf dem alten Friedhof bestattet, der zwei Jahre später umzog. Ihre Toten nahmen die Otzenrather mit. „Das hat die Leute schon bewegt. Es gab damals kein Gespräch beim Metzger oder bei Familienfeiern, das nicht irgendwann bei Rheinbraun gelandet ist.“

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