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Streit nach Terroranschlag : Senator will Brandenburger Tor „letztes Mal“ anstrahlen lassen

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Wird es das in Zukunft noch geben? Das Brandenburger Tor leuchtet in Farben Großbritanniens. Bild: reuters

Nach dem Anschlag in St. Petersburg entschied sich Berlins Senat gegen eine Solidaritätsbeleuchtung am Brandenburger Tor – und erntete Kritik. Die Auswahl sei willkürlich, meint der Kultursenator und fordert einen drastischen Schnitt.

          Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) will die Beleuchtung des Brandenburger Tors nach Terroranschlägen in den jeweiligen Nationalfarben der betroffenen Länder abschaffen. Zuvor solle das Tor jedoch ein letztes Mal in den russischen Farben angestrahlt werden, forderte Lederer am Dienstag auf seiner Facebook-Seite. Damit könne man die Unterstellung ausräumen, es gäbe „eine Hierarchisierung der Opfer“. Künftig solle man jedoch ganz auf die Geste verzichten, da die Auswahl willkürlich werde und nahezu täglich erfolgen könnte, schrieb er weiter. Auch bei Twitter verbreitete er seine Forderung:

          Der Senat hatte sich am Montagabend dagegen entschieden, nach einem Anschlag mit mindestens 14 Toten in der St. Petersburger Metro das Brandenburger Tor in den russischen Nationalfarben anzustrahlen. „Man kann Kondolenz und Trauer auch ausdrücken, ohne das Brandenburger Tor zu beleuchten“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder am Dienstag. „Es ist nicht der einzige Weg.“ Selbstverständlich fühle der Senat „in Verbundenheit und Anteilnahme“ mit den Menschen in der russischen Stadt.

          Derartige Illuminierungen seien im Falle einer Städtepartnerschaft vorgesehen, wie zuletzt nach Attentaten in Paris, Brüssel, London oder Istanbul, sagte Sünder. Daneben seien für Orte mit besonderem Berliner oder historischem Bezug Ausnahmen gemacht worden. „In einen Wettstreit der Symbole zu treten, ist vielleicht nicht der einzige oder nicht der richtige Weg, um Trauer und Anteilnahme zu bekunden“, betonte die Senatssprecherin.

          Die Entscheidung hatte am Dienstag für Kritik als „kalt“ oder „kleinlich“ in Kommentarspalten und Sozialen Medien gesorgt. Nach Anschlägen wie etwa in Paris, Brüssel, London, Istanbul (Partnerstädte von Berlin), aber auch Jerusalem war das Berliner Wahrzeichen aus Solidarität mit den Betroffenen in den jeweiligen Nationalfarben beleuchtet worden. Auch andere Hauptstädte verzichten mittlerweile auf ähnliche Gesten.

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