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„Wir vernichten Existenzen“ : Wie Bouffier von der Merkel-Linie abrückt

  • -Aktualisiert am

„Schnauze voll“: Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen, hier bei der ersten Plenarsitzung im Hessischen Landtag 2021 am 2. Februar, nahm kein Blatt vor den Mund, als er die möglichen Lockerungen ankündigte. Bild: Lucas Bäuml

Lange verfolgte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier ganz die Linie der Kanzlerin. Doch jetzt sagt er: „Die Leute haben die Schnauze voll.“ Hessen steht vor einer Kehrtwende in der Corona-Politik.

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          Mit einem „Die Leute haben die Schnauze voll“ und „Wir vernichten Existenzen“ hatte Volker Bouffier eine Neuausrichtung der hessischen Corona-Politik angekündigt. Diese mag, verglichen mit den Lockerungsübungen anderer Landesregierungen, unspektakulär erscheinen, für Hessen aber gleicht sie einer Kehrtwende. Geäußert hatte sich Bouffier bei einer digitalen Veranstaltung seiner CDU für den Kommunalwahlkampf in Fulda, wo er auch Lockerungspläne in Aussicht stellte. Nun wird anderswo schon fleißig gelockert, im benachbarten Rheinland-Pfalz etwa bei der Fußpflege, bei Zoos und Baumärkten. Doch in Hessen folgte man bisher frei von Kritik dem Kurs der Bundeskanzlerin und vermied tunlichst jeden Vorgriff auf mögliche gemeinsame Beschlüsse.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Nun aber stellten Bouffier und sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, am Donnerstag in Wiesbaden ihre „Perspektiven für eine verantwortungsvolle Öffnung“ vor. „Gegebenenfalls im März“ könnten demnach die Kontaktregeln wieder auf fünf Personen aus zwei Haushalten erweitert werden, Kinder ausgenommen. Außerdem könnten dann Verkaufsstätten mit Termin besucht werden. „Click & Meet“ nennen das die Hessen. Bei Stufe zwei, „gegebenenfalls vor Ostern“, könnten die Außengastronomie und die Museen öffnen, bei Stufe drei, „gegebenenfalls nach den Osterferien“, dürften die Klassenstufen eins bis sechs wieder in den Präsenzunterricht gehen und etwa Veranstaltungen von bis zu 50 Personen zugelassen werden.

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