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Botschafterin für die „Lutherdekade“ : Margot Käßmann kehrt zur EKD zurück

Margot Käßmann soll künftig in der EKD für die Lutherdekade zuständig sein Bild: dpa

Nach Informationen der F.A.Z. wird Margot Käßmann wieder ein Amt innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernehmen. Sie soll „Botschafterin“ für das Reformationsjubiläum 2017 werden. Käßmann hatte wegen einer Trunkenheitsfahrt ihre Kirchenämter niedergelegt.

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          Margot Käßmann wird in den Dienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurückkehren. Nach Informationen dieser Zeitung hat die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin, die vor 16 Monaten nach einer Trunkenheitsfahrt von ihren Kirchenämtern zurückgetreten war, mit der Kirchenleitung vereinbart, dass sie „Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017“ wird.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Käßmanns Name war seit ihrem Rücktritt für diverse Ämter sowohl in der Politik als auch in der Kirche ins Gespräch gebracht worden. Der Rat, das Leitungsgremium der EKD, stimmte der Berufung Käßmanns am vergangenen Freitag auf einer Sitzung in Berlin zu. Frau Käßmann hatte zuvor dem Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider ihre Zusage gegeben, nachdem die Entscheidung für eine Rückkehr in mehreren Gesprächen über längere Zeit vorbereitet worden war.

          Frau Käßmann soll das neu zu schaffende Amt im April 2012 nach Beendigung ihrer Gastprofessur an der Universität Bochum antreten, die sie derzeit innehat. Die innerkirchlichen Befürworter der Rückkehr äußern, Margot Käßmann sei geeignet wie keine zweite, öffentliche Aufmerksamkeit auf das anstehende Reformationsjubiläum zu lenken.

          Aus den Reihen der Kirche sei einzig die frühere Ratsvorsitzende in der Lage, das Thema Reformation auch solchen Personenkreisen nahezubringen, die für historische Themen sonst wenig Interesse zeigen. Mit der Personalie Käßmann wird zudem die Hoffnung verbunden, dass das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation auch international Resonanz erfährt.

          Hoffnung auf seltenere Schlagzeilen

          In der EKD-Führung setzt man zudem darauf, dass die frühere Ratsvorsitzende nach ihrer Rückkehr in den Kirchendienst seltener Schlagzeilen durch Äußerungen zu Fragen der Politik mache. Bereits ihre kritische Aussagen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan, die sie noch vor ihrem Rücktritt getätigt hatte, waren innerhalb der Kirche zum Teil als wenig differenziert empfunden worden. Spätere Äußerungen, etwa zum Nato-Einsatz in Libyen, den sie zunächst gefordert hatte, dann aber kritisierte, stießen auf Unverständnis.

          Mit Sorge wird in der EKD dabei wahrgenommen, dass ihr auch ohne Amt weiter die ungebrochene Aufmerksamkeit der Medien gilt, während die um Abwägung bemühten Äußerungen ihres Nachfolger Schneider weniger Resonanz erfahren. Mit einer neuen Aufgabe, die auf „neue Ideen“ bringe, und eine Anbindung an die EKD könne sich das ändern, heißt es. Zur Entscheidung des Rates für eine Rückkehr Käßmanns dürfte beigetragen haben, dass die bisherigen Bemühungen um das große Reformationsjubiläum im Jahr 2017 als inhaltlich nicht ausreichend profiliert und zudem zu stark auf die Region Mitteldeutschland bezogen wahrgenommen werden.

          Bis zum Frühjahr war für die Lutherdekade zuständig der EKD-Beauftragte Stephan Dorgerloh. Dorgerloh wurde dann allerdings im April SPD-Bildungsminister in Sachsen-Anhalt.

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