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Tübinger Oberbürgermeister : „Man darf Menschen Fakten nicht einfach vor den Kopf knallen“

  • Aktualisiert am

Zeigt auch optisch, wo er wieder hingehören will: Boris Palmer trägt grün. Bild: dpa

Boris Palmer hat angekündigt, weniger über Flüchtlingsthemen zu sprechen. Dadurch will der Grünen-Politiker wieder näher an seine Partei heranrücken. In anderen Fragen bestehe bereits Einigkeit.

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          Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer will sich mit den Grünen aussöhnen und sich künftig seltener zu Flüchtlingsthemen äußern. „Ich will dazu beitragen, mit meiner Partei wieder ein besseres Verhältnis zu erreichen. Ich habe mir für 2019 wieder vorgenommen, das Thema Migration beiseite zu lassen“, sagte der 46 Jahre alte Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Palmer, der unter anderem ein Buch mit dem Titel „Wir können nicht allen helfen“ veröffentlicht hatte, sorgt seit Langem mit seinen Positionen zur Flüchtlingspolitik für kontroverse Debatten auch innerhalb der eigenen Partei. Schwerwiegend war etwa eine Äußerung über einen sich fehlverhaltenen Radfahrer in Ulm, den er aufgrund dessen Hautfarbe als Asylsuchenden darstellte. Trotz des Vorwurfs des Rassismus blieb Palmer bei seiner Äußerung und schilderte in einem Gespräch mit dieser Zeitung seine Eindrücke: „Jung, männlich, Verhaltensweise, Dresscode und im konkreten Fall schwarzafrikanische Herkunft. Ich knüpfe daran eine Vermutung.“

          Palmer verwies darauf, dass es dagegen in Fragen der Ökologie eine absolute Übereinstimmung mit seiner Partei gebe. Tübingen sei zu einer grünen Pionierstadt geworden. Der Gemeinderat hatte im Dezember des vergangenen Jahres eine Steuer auf den Verkauf von Einwegverpackungen beschlossen. Es ist die erste Kommune, die sich zu einem solchen Schritt entschloss.

          Lohnenswertes Experiment

          Zudem kündigte Palmer an, auf Facebook künftig mehr auf seine Kritiker einzugehen. „Man darf Menschen Fakten nicht einfach vor den Kopf knallen. Man muss einen Rahmen schaffen, in dem sie bereit sind, sich Fakten anzusehen“, sagte er.

          Palmer und der „Spiegel“-Journalist Hasnain Kazim hatten eine Woche lang ihre Facebook-Profile getauscht und auf der Seite des jeweils anderen gepostet. Sie wollten herausfinden, wie eine vermeintlich ähnlich denkende Facebook-Anhängerschaft reagiert, wenn sie mit einer anderen Meinung konfrontiert wird. Palmer zufolge hat sich das Experiment „sehr gelohnt“ und gezeigt, wie unterschiedlich Reaktionen im jeweiligen Umfeld ausfallen.

          So hatte Palmer in einem Post eine Schlägerei von Asylbewerbern am Tübinger Bahnhof beschrieben - während das auf seiner eigenen Seite mehr als 10.000 Nutzer teilten, war das bei dem Tausch-Experiment auf Kazims Seite nur 23 Mal der Fall. „Die Leute auf Kazims Seite empfinden solche Informationen als unangenehm“, sagte Palmer am Montag. Die Leute hätten sich oft ein Ende des Tauschs gewünscht. „Das zeigt, wie sehr Facebook das Gefühl befördert, sich nur noch mit der eigenen Meinung auseinanderzusetzen“, sagte Palmer.

          „Spiegel“-Journalist Hasnain Kazim: Hatte eine Woche lang das Facebook-Profil mit Palmer getauscht.
          „Spiegel“-Journalist Hasnain Kazim: Hatte eine Woche lang das Facebook-Profil mit Palmer getauscht. : Bild: dpa

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