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Boris Palmer : Und immer wieder lockt Facebook

Bislang schlug Palmer alle Bitten, von Facebook mal die Finger zu lassen, in den Wind. Bild: dpa

Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen hat seine Partei schon oft provoziert. Doch dieses Mal ist er zu weit gegangen. Warum?

          6 Min.

          In Tübingen sind die Bürger über Boris Palmers neuesten Konflikt mit seiner Partei gespalten. Einige Geschäftsleute danken dem Oberbürgermeister in ihren Schaufenstern für die Corona-Teststrategie. Linke Studenten demonstrieren und sprühen Parolen aufs Pflaster: „Kein Rassismus in Tübingen“. Das Schwäbische Tagblatt ist seit Tagen randvoll mit Leserbriefen. Aus einigen spricht Hochachtung für die Leistungen des Oberbürgermeisters, viele Schreiber sind es aber auch satt, ihre Stadt ständig wegen Palmers Facebook-Sucht in den Medien zu sehen: „So viel Verstand, so wenig Vernunft. Schade, traurig“, schreibt ein Leser. Andere schreiben von der „Droge Wichtigkeit“ oder einfach nur: „Nicht mein OB“.

          Philip Eppelsheim
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die von Palmer seit 2015 unter großem Medienwirbel inszenierten Diskussionen nahmen die Bürger lange recht gelassen hin – „so isch halt der Boris“, hieß es. Aber mit seinem neuesten Posting hat Palmer für viele die Grenze endgültig überschritten. Er hatte verbreitet: „Der Aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen Negerschwanz angeboten.“ Satire, rechtfertigte sich Palmer später. Der Hintergrund: Der ehemalige Fußballspieler Dennis Aogo hatte zuvor bei einer Spielanalyse im Fernsehen von „trainieren bis zur Vergasung“ gesprochen. Palmer wollte ihn in Schutz nehmen. Ein solcher Satz müsse mit einer Entschuldigung erledigt sein. Daraufhin, so Palmer, habe ein Mitglied der grünen Jugend ihn gefragt, ob er mal wieder Rassismus relativiere. Palmer antwortete mit dem oben genannten Satz. Er bezog sich dabei auf einen anderen Facebook-Eintrag, machte das aber nicht kenntlich. Er habe, so Palmer, „einen absurden Rassismusvorwurf so weit ins Groteske gesteigert, dass unmittelbar ersichtlich sein sollte, wie abwegig das ist“.

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