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Boris Palmer und Corona : „Ich weiß nicht, wie ich mich für Fakten entschuldigen könnte“

Provozieren aus Prinzip: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) Bild: dpa

Mit seiner Äußerung über die Rettung alter Menschen in der Corona-Pandemie hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bei vielen Grünen für Entsetzen gesorgt. Eine Entschuldigung lehnt er ab.

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          Die baden-württembergischen Grünen haben sich von ihrem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer in der Debatte über die Strategie zur Eindämmung des Coronavirus distanziert. „Boris Palmer spricht nicht für die Grünen. Mit seinen kalkulierten Ausrutschern und inszenierten Tabubrüchen beteiligt er sich an einer Polarisierung und Brutalisierung der öffentlichen Debatte“, sagte die grüne Landesvorsitzende Sandra Detzer. Palmers Aussagen seien mit den politischen Werten der Grünen nicht vereinbar.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Palmer fordert seit Wochen, die Strategie zur Eindämmung des Virus zu ändern, den Shutdown aufzulockern und ältere und kranke Menschen durch Isolation zu schützen. In einer Sendung des Fernsehsenders Sat1 hatte Palmer am Dienstag geäußert: „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr wegen ihres Alters oder wegen schwerer Vorerkrankungen sowieso tot wären.“ Der Oberbürgermeister hatte in dem Interview hinzugefügt, dass der Shutdown in vielen Ländern der Welt die Armut verschärfen und etwa eine Million Kinder das Leben kosten könnte.

          Palmer lehnt eine Entschuldigung ab

          Palmer sagte der F.A.Z., er habe nur „Fakten der Vereinten Nationen und einen Zielkonflikt“ beschrieben. Eine Entschuldigung für seine Aussage lehnte er ab: „Ich weiß nicht, wie ich mich für Fakten entschuldigen könnte.“

          Der Direktor des Instituts für Epidemiologie der Universitätsklinik Ulm, Dietrich Rothenbacher, wies darauf hin, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe von Covid-19 gebe. Nach einer neuen Studie aus China hätten aus einer Gruppe von 35 bis 58 Jahre alten Patienten etwa acht Prozent Covid-19 nicht überlebt. Der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder nannte Palmers Aussage „menschenverachtend“; der FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer sprach von einer Entgleisung und forderte eine Entschuldigung.

          Palmers Haltung unterscheidet sich auch sehr grundsätzlich von der des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der immer wieder betont, dass er in der Krise nach einer klaren Hierarchie entscheide. An erster Stelle stünden der Schutz von Leben und Gesundheit sowie wie die Empfehlungen der Virologen.

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