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Nach umstrittenem TV-Auftritt : Palmer bittet um Entschuldigung

  • Aktualisiert am

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bei einem Termin im März 2019 Bild: dpa

Jetzt also doch: Nachdem Boris Palmer eine Entschuldigung für umstrittene Aussagen in einem TV-Interview zunächst ablehnte, wird er nun doch kleinlauter. Er würde „niemals Älteren und Kranken das Recht zu leben absprechen“.

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          Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich für seine Aussagen in einem Fernsehinterview nun doch entschuldigt. Im Sat1-Frühstücksfernsehen hatte der Grünen-Politiker am Mittwochmorgen gesagt: „Ich sag es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären.“ Nachdem die Aussagen im Laufe des Tages eine Welle der Empörung ausgelöst hatten, sagte Palmer der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Abend: „Niemals würde ich älteren oder kranken Menschen das Recht zu leben absprechen. Falls er sich „da missverständlich oder forsch ausgedrückt“ habe, tue es ihm leid.

          Zuvor hatte Palmer im Gespräch mit der F.A.Z. noch eine Entschuldigung abgelehnt. Er habe lediglich „Fakten der Vereinten Nationen und einen Zielkonflikt“ beschrieben. „Ich weiß nicht, wie ich mich für Fakten entschuldigen könnte“, so der Politiker. Am Abend erklärte er gegenüber der dpa schließlich: „Ich habe darauf hingewiesen, dass die Methode unseres Schutzes so schwere Wirtschaftsschäden auslöst, dass deswegen viele Kinder sterben müssen. Das will ich nicht hinnehmen und fordere einen besseren Schutz unserer Risikogruppen ohne diese Nebenwirkungen.“

          Für seine Äußerungen im Frühstücksfernsehen wurde Palmer heftig kritisiert. Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer sagte: „Ich rate Boris Palmer dringend, sich zu entschuldigen und diese Äußerung zurückzunehmen. Er ist nicht nur wie sonst manchmal über das Ziel hinausgeschossen, sondern erheblich entgleist.“ Sein Parteifreund, der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, bezeichnete Palmers Position auf Twitter als „sozialdarwinistisch“.

          Palmer hatte in der Fernsehsendung abermals eine Lockerung der Corona-Maßnahmen gefordert. Es müsse unterschiedliche Sicherheitsvorkehrungen für Junge und Ältere geben. Ihm zufolge handele es sich bei dem Großteil der an einer Corona-Infektion Gestorbenen um Menschen mit schweren Vorerkrankungen, die ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt hätten. Seiner Meinung nach seien die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns gravierender und könnten etwa zusätzlich das Leben armutsbedrohter Kinder kosten.

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