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Stand der Pandemie-Bekämpfung : Das Virus in Schach halten

RKI-Präsident Lothar Wieler (links) und Bundesgesundheitsminister Spahn am Freitag bei der Bundespressekonferenz Bild: AFP

Die Zahl der Neuinfektionen geht laut RKI-Präsident Wieler derzeit nicht signifikant zurück. Und Gesundheitsminister Spahn warnt vor einem Öffnungs-Automatismus nach dem Beginn des Unterrichts in den Schulen.

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          Noch vor einer Woche waren die Infektionszahlen so sehr gesunken, dass der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler hoffnungsvolle Perspektiven eröffnen konnte. Das hat sich allerdings durch den rasanten Anstieg der Mutanten bei den positiven PCR-Tests in wenigen Tagen geändert.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Die sogenannte britische Variante B1.1.7 ist nicht nur ansteckender, sondern vermutlich auch gefährlicher, was die Pandemiebekämpfung insgesamt aus der Sicht Wielers erschwert. „Das Virus hat einen Boost erhalten, jede unüberlegte Lockerung wirft uns zurück, dann stehen wir in einigen Wochen wieder an dem Punkt, wo wir Weihnachten waren.“

          Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen liegt bundesweit bei 56,8 und nur leicht niedriger als am Vortag (57,1). Bund und Länder streben einen Wert von unter 50 an und wollen weitere Lockerungen erst bei einer Inzidenz von 35 zulassen. „Die bundesweiten Fallzahlen scheinen zu stagnieren und auch die bundesweite ‚Sieben-Tages-Inzidenz‘ geht nicht mehr so stark zurück, in einem Bundesland, in Thüringen, steigt sie sogar“, sagte Wieler am Freitag in Berlin. Es sehe so aus, als steuerten viele Bundesländer auf ein Plateau zu, das noch viel zu hoch sei, und leider würden dem RKI auch täglich mehrere hundert Todesfälle übermittelt.

          Wielers Mahnung

          „Trotzdem können und müssen wir es schaffen, das Virus in Schach zu halten“, sagte Wieler und mahnte dazu, weiterhin konsequent Ansteckungen zu verhindern, nicht zu verreisen, die Kontakte auf das Nötigste einzuschränken, in Innenräumen medizinische Masken über Mund und Nase zu tragen und die bekannten Regeln einzuhalten. „Wir können selber schon ansteckend sein, bevor wir Symptome haben“, sagte er.

          Bei den geringsten Symptomen solle sich der Betroffene testen lassen, die Kapazitäten dafür seien da. Das Virus „macht große Sprünge und da dürfen wir nicht rückwärtsgehen“. Jede unbedachte Lockerung beschleunige das Virus und werfe uns zurück. Wieler erwartet mehr Ausbrüche auch unter Kindern und Jugendlichen. Angesichts der bevorstehenden Öffnungen von Grundschulen und Kitas (bis auf Hamburg) am kommenden Montag mahnte der RKI-Präsident zu besonderer Vorsicht. Ohne die Befolgung der bekannten Schutzkonzepte dürfe es keine Rückkehr zum Präsenzunterricht geben.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU), derzeit Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz, gaben zu erkennen, dass die Impfverordnung schon in der kommenden Woche so geändert werden könnte, dass Kita-Erziehern und Grundschullehrern früher als geplant ein Impfangebot gemacht werden kann, weil die Abstandsregeln sich weder im Kita-Alltag noch in den Eingangsklassen der Grundschulen einhalten lassen. Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten hatten bei ihrem letzten Zusammentreffen darum gebeten, eine frühere Impfung der beiden Gruppen zu prüfen.

          Kein Öffnungs-Automatismus

          Zugleich warnte Spahn vor einem Öffnungs-Automatismus nach dem Beginn des Präsenzbetriebs an Schulen und Kitas. Er bringe „Mobilität in sehr großem Umfang“ mit sich. Dann seien jeden Tag viele Millionen Kinder auf dem Weg, dazu Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen. Deshalb sei es wichtig zu schauen, wie sich dies nach einer Woche oder zehn Tagen im Infektionsgeschehen niederschlage. „Das Bedürfnis nach einem Ende des Lockdowns ist greifbar, aber wir müssen bei den Öffnungen behutsam vorgehen, um das Erreichte nicht zu verspielen“, sagte Spahn. „Das Virus gibt nicht einfach auf.“ Es bringe daher nichts, die Maßnahmen bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 47 zu lockern. „Dann müssen wir kurz darauf wieder zumachen.“

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