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Bonner Bombenalarm : Salafismus und Terror in Deutschland

Nach dem Bombenalarm: Einsatzkräfte des Landeskriminalamts durchsuchen die Gleise des Bonner Hauptbahnhofes. Bild: dapd

Sicherheitsbehörden halten gewaltbereite Salafisten seit einiger Zeit für willens, Terroranschläge in Deutschland zu begehen. Die beiden vorübergehend festgenommen Männer zählen zu einer Szene, die auf etwa 4000 Personen geschätzt wird.

          Die Bewertung der Bonner Vorgänge dauert noch an. Derzeit ist ungewiss, ob tatsächlich radikale Islamisten für die Bombenkonstruktion auf dem Hauptbahnhof verantwortlich sind. Den Bonner Salafisten war zumindest auf Anhieb nichts nachzuweisen. Die Sicherheitsbehörden halten gewaltbereite Salafisten aber seit einiger Zeit für willens, Terroranschläge in Deutschland zu begehen.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Dass dafür auch Züge und Bahnhöfe in Betracht kommen, ist klar seit dem Anschlagsversuch auf Regionalzüge, der 2006 nur am technischem Unvermögen der inzwischen verurteilten Terroristen scheiterte. Die beiden jetzt vorübergehend festgenommen Männer zählen zu einer Szene, die auf etwa 4000 Personen geschätzt wird. Deren Anhänger gelten als kompromisslose Verfechter eines rückschrittlichen Islam und lehnen jede Fortentwicklung der Lehren Mohammed aus dem Laufe der vergangenen Jahrhunderte ab.

          Nach einer Faustregel der Sicherheitsbehörden sind nicht alle Salafisten auch Terroristen. Aber alle Terrorverdächtigen aus den vergangenen zehn Jahren hatten jeweils auch Kontakt zu salafistischen Strömungen. Nach dieser Theorie sammelt der Salafismus potentielle Gewalttäter. Einige Radikale werden zur religiösen Unterweisung, aber auch zur Terrorausbildung ins Ausland geschickt, beispielsweise nach Pakistan, Ägypten oder Somalia. Die Behörden versuchen solche Ausreisen inzwischen zu unterbinden. Das ist auch den beiden Anfangsverdächtigen Omar D. und Abdirazak B. widerfahren, die 2008 aus einem startbereiten Flugzeug geholt wurden. Dennoch geht man davon aus, das etwa fünfzig Personen diesen Weg genommen haben und sich nach entsprechender Ausbildung wieder in Deutschland befinden.

          In kleinen Gruppen organisiert

          Organisiert sind die Salafisten in kleinen Gruppen. Der Bundesinnenminister hat im Juni den Solinger Salafisten-Verein „Millatu Ibrahim“ verboten und gegen zwei weitere Gruppen vereinsrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet, nämlich gegen das „Missionierungsnetzwerk DawaFFM“ und den Kölner Verein „Die wahre Religion“. Ein Teil der Gruppe, darunter der mutmaßliche Gründer und Leiter Mohamed Mahmoud, hält sich derzeit in Ägypten auf. Von Anhängern der Gruppe wurde per Videobotschaft zum Terror aufgerufen.

          So kündigte der Gefolgsmann Dennis C., als Rapper früher unter dem Namen Deso Dogg bekannt, im September per Video an: „Wir werden den Dschihad in eure Länder bringen“. Auffällig bei den gegenwärtigen Äußerungen von Behörden und Ermittlern ist das Bestreben, voreilige Tatzuschreibungen zu vermeiden. Zu begründen ist das mit einer früheren Einseitigkeit der Ermittler, die deshalb bei den Serienmorden der rechtsextremen Zwickauer Terrorzelle jahrelang die wahren Tathintergründe verkannt hatten.

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