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Flüchtlinge in Bonames : Hinter dem Zaun

Ein Zaun umgibt die Flüchtlingsunterkunft. Bild: Frank Röth

Früher galt die Unterkunft in Frankfurt-Bonames als vorbildlich. Seit einer Debatte um Kochplatten wird jedoch Kritik an den Lebensumständen der Geflüchteten laut. Ein Besuch.

          5 Min.

          Aabid will nicht reden. Er wisse schließlich nicht, was dann passiere, sagt er. Vielleicht werfe man ihn und seine Familie aus der Flüchtlingsunterkunft. „So wie die anderen.“ Aabid will deshalb auch nicht, dass sein richtiger Name genannt wird. Aber Tee möchte er trinken. „Du bist mein Gast“, sagt er. Das Problem: Zwischen ihm und seinem Gast befindet sich ein hoher Metallzaun. Der umgibt die Flüchtlingsunterkunft am Rand von Frankfurt. Auch das Tor, an dem Aabid steht, lässt sich nicht öffnen. Dafür sorgen eine Stahlkette und ein Vorhängeschloss.

          Philip Eppelsheim

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aabid sagt: „Wir gehen nach vorne. Kein Problem.“ Er geht am Zaun entlang, vorbei an den mit Holz und Plexiglas verkleideten Wohnmodulen. Am nächsten Tor haben Kinder gerade Volleyball gespielt. Der Zaun war ihr Netz. Doch auch das Tor ist nun verschlossen. Aabid läuft weiter zum Haupteingang. Er sagt: „Ich möchte mit meinem Gast Tee trinken.“ – „Der kommt hier nicht rein“, antwortet eine Frau. „Anweisung der Chefin.“ – „Aber er ist mein Gast“, sagt Aabid. „Er kommt hier nicht rein“, antwortet die Frau wieder. Aabid versucht es noch ein paarmal. Er dürfe doch wohl selbst entscheiden, wen er einlade. Aber es bleibt dabei: Journalisten sind in der Flüchtlingsunterkunft unerwünscht.

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