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Bombenattrappe in Namibia : „Amerikanischer Real-Testkoffer“

  • Aktualisiert am

Urlaub und freie Tage wurden den Polizisten vielerorts bereits gestrichen Bild: F.A.Z. Nora Klein

Bei dem verdächtigen Gepäckstück auf dem Flughafen von Windhuk habe es sich um eine Attrappe gehandelt, bestätigt Innenminister de Maizière. Gleichwohl gilt die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland weiter als „akut“.

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          Der am Flughafen in Windhuk wegen Sprengstoffverdachts sichergestellte Koffer war eine ungefährliche Bombenattrappe. Diese Erkenntnis des Bundeskriminalamts (BKA) teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitagmittag in Hamburg mit. Er nannte es „sehr unwahrscheinlich“, dass deutsche Sicherheitsdienste das Gepäckstück vor dem Flug einer Air-Berlin-Maschine nach München zum Flughafen Windhuk gebracht haben könnten. Sicher war er allerdings nicht.

          Es habe sich um einen sogenannten „Real-Testkoffer“ einer Firma aus den Vereinigten Staaten gehandelt, sagte de Maizière. Sprengstoff habe er nicht enthalten. Unklar blieb, wer den „Realtest-Koffer“ der amerikanischen Firma Larry Copello im afrikanischen Windhuk plazierte. Sowohl die deutschen als auch die namibischen Sicherheitsbehörden erklärten, dies sei ihnen nicht bekannt. Firmenchef Larry Copello stellte nach eigenen Angaben den Testkoffer von Windhuk her.

          Er habe ihn anhand von Fotos identifiziert, die ihm FBI-Agenten gezeigt hätten, sagte der 64-Jährige. Die Attrappe sei wahrscheinlich vor etwa vier Jahren gebaut worden, vermutlich von seiner damals 80 Jahre alten Schwiegermutter, sagte der Chef der drei Mitarbeiter zählenden Firma. Wie die Attrappe, die seine Firma für Sicherheitstests herstelle, nach Namibia gelangt sei, könne er nicht sagen.

          „Deutsche Behörden nicht beteiligt“

          Das Bundesinnenministerium schloss derweil eine Beteiligung deutscher Behörden an der Plazierung einer Bombenattrappe in Namibia aus. „Deutsche Behörden waren an dem Vorfall in Namibia nicht beteiligt“, sagte ein Ministeriumssprecher auf Anfrage. Alles Weitere - etwa wer daran wie beteiligt gewesen sei - sei Gegenstand weiterer Prüfungen.

          Das Gepäckstück, das üblicherweise dazu dient, Sicherheitskontrollen zu testen, enthielt eine Batterie, einen Zünder und eine laufende Uhr. Am Donnerstag war spekuliert worden, das Stück sei möglicherweise von einem staatlichen Sicherheitsdienst eingesetzt worden, um die Qualität der namibischen Kontrollen zu prüfen. Beamte des Bundeskriminalamts waren nach Namibia geflogen, um den Fall zu untersuchen.

          Wegen des Bombenverdachts war die Maschine von Windhuk nach München mehrfach kontrolliert worden und mit Stunden Verspätung abgeflogen. Es habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Passagiere bestanden, sagte der Minister. Zuvor hatte schon Air Berlin bestätigt, dass die verdächtige Computertasche keinen Sprengstoff enthielt.

          ICE in Düsseldorf evakuiert

          Unterdessen wurde am Freitag im Düsseldorfer Hauptbahnhof wegen eines verdächtigen Gegenstands ein ICE angehalten und evakuiert. Nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei hatten Reisende im ICE 609 von Kiel nach Basel einen Gegenstand entdeckt, den sich nicht zuordnen konnten. Der Zug wurde daraufhin im Düsseldorfer Hauptbahnhof gestoppt und die rund 230 Reisenden aus dem Zug gebracht.

          Das betroffene Gleis 16 wurde abgesperrt. Sprengstoffexperten konnten nach Untersuchung des verdächtigen Gegenstands Entwarnung geben. Die Reisenden setzten ihre Fahrt fort. Ein Sprecher der Bundespolizei lobte das Verhalten der Zeugen: „Die Anti-Terror-Warnungen werden ernst genommen.“ Durch den Polizeieinsatz kam es zu Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs.

          Frau wird an Flug nach Antalya gehindert

          Bei einer Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen Rostock-Laage wurde am Freitagabend eine Tasche mit einem Mittel entdeckt, das Sprengstoff zugesetzt wird. Die Laptop-Tasche gehöre einer 45 Jahre alten Frau aus dem Kreis Bad Doberan, die ins türkische Antalya fliegen wollte, teilte die Polizei in Rostock mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Es habe sich um den Zusatzstoff TMG3 gehandelt, der selbst kein Sprengstoff sei. Er müsse aber laut einer EU-Richtlinie Sprengstoffen zwingend beigemengt werden.

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