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Schmähgedicht auf Erdogan : Staatsmimose Böhmermann

Jan Böhmermann (Archivbild) Bild: dpa

Der Komiker Jan Böhmermann hat natürlich das Recht, die Bundeskanzlerin zu verklagen. Sein Gejammer über die Regierung steht allerdings stets im Gegensatz zu seinem sonstigen Auftreten.

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          Eigentlich kann sich der öffentlich-rechtliche Komiker Jan Böhmermann nicht beklagen. Er hat durch sein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan wohl seinen Ruhm, sein Vermögen und seine Anhängerschaft vermehrt. Er hat einen Beitrag zur Fortentwicklung der Rechtsprechung zur Kunstfreiheit geleistet. Sein Fall hat zur Abschaffung des Straftatbestandes „Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten“ geführt. Er hat die Bundesregierung intensiv beschäftigt. Er hat sogar erreicht, dass die Bundeskanzlerin einen „Fehler“ eingestand, als sie gegenüber Erdogan Böhmermanns Satire als „bewusst verletzend“ bezeichnete –  was in der Tat deplaziert und überflüssig war. Und ja, er stand auch unter Polizeischutz. Böhmermanns Gejammer über die Regierung stand allerdings stets in deutlichem Gegensatz zu seinem sonstigen Auftreten.

          Keine Frage: im Zweifel für die Freiheit – gerade in der Kunst. Wer es aber bewusst auf eine Grenzüberschreitung anlegt, sollte bereit sein, die Konsequenzen genauso souverän zu tragen, wie er sonst über andere herzieht.

          Es ist natürlich Böhmermanns Recht, die Bundeskanzlerin zu verklagen, die sich längst hinter seine Meinungsfreiheit gestellt hat. Satiriker haben eigentlich auch andere Mittel. Doch Böhmermann will sich absichern. Er ist eben als Staatsmimose auch Teil des Apparats.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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