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BND-Neubau : Handwerker und andere Saboteure

Ist das die undichte Stelle? Die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Berlin Bild: Gyarmaty, Jens

Um den „Bedarfsträgern“ im Regierungsviertel nahe zu sein, baut sich der BND in Berlin einen gigantischen Komplex. Doch der Alltag auf der Großbaustelle wird derzeit geprägt von Baupfusch, Kostensteigerungen und Verschiebungen des Fertigstellungstermins.

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          Schon die schiere Größe des Gebäudes suggeriert Macht. Hinter 14.000 Fenstern verbirgt künftig der deutsche Auslandsgeheimdienst sein Wissen. Mit viertausend Mitarbeitern lenkt von hier aus der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) verdeckte Operationen in aller Welt, beschafft der Bundesregierung Wissen über Terrorgruppierungen oder geheime Atomwaffenprogramme.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Im größten Neubau der deutschen Nachkriegsgeschichte analysiert der Dienst regionale und weltpolitische Strömungen und bereitet die jeweilige Bundesregierung auf globale Veränderungen vor, von hier aus suchen und finden die Agenten des Dienstes deutsche Geiseln im Ausland und erfahren, was Potentaten im Schilde führen.

          Der Standort der neuen BND-Zentrale in Berlin-Mitte
          Der Standort der neuen BND-Zentrale in Berlin-Mitte : Bild: F.A.Z.

          Soweit die geplante Zukunft. Doch der Alltag auf der Großbaustelle an der Berliner Chausseestraße wird derzeit geprägt von Baupfusch, Kostensteigerungen und Verschiebungen des Fertigstellungstermins. Man kennt so etwas bereits vom Berliner Großflughafen. Aber hier kommt zur gigantomanischen Planung für eine Brutto-Grundfläche von 260000 Quadratmetern, auf denen beispielsweise 135000 Kubikmeter Beton und 20000 Kilometer Lichtwellenleiter verbaut werden, noch eine ziemlich sagenhafte Geheimniskrämerei hinzu.

          Eigentlich sollte der Neubau des BND in Berlin etwa 730 Millionen Euro kosten. Inzwischen ist man bei mindestens 811 Millionen. Die Gesamtkosten werden offiziell mit 1,3 Milliarden Euro beziffert. Manche, wie der CDU-Abgeordnete Wolfgang Bosbach, schätzen, das Gesamtprojekt werde an die zwei Milliarden Euro verschlingen. Ziel des Umzuges soll es sein, den Auslandsnachrichtendienst aus dem idyllisch-abgelegenen Münchener Süden in die Nähe der „Bedarfsträger“ in Regierung und Parlament zu bringen. Viele BND-Mitarbeiter standen anfangs dem Vorhaben skeptisch bis feindselig gegenüber.

          BND wird nur Mieter sein

          Inzwischen sind in der BND-Außenstelle am Gardeschützenweg in Berlin-Lichterfelde, einer ehemals preußischen Kaserne, und anderen, geheimen Orten in Berlin bereits etwa 2000 Mitarbeiter stationiert. Manche sagen, das seien die jungen, aktiven. Andere behaupten, ein Großteil der Kernkompetenz des BND sei noch immer in Pullach versammelt. Die Auseinandersetzung war auch ein Glaubenskrieg zwischen dem bayerisch geprägten Sowjetabwehr-Dienst und der modernen Nachrichten-Dienstleistungsfirma in der Bundeshauptstadt. Der Konflikt geht dem Ende zu mit einem typisch bundesrepublikanischen Kompromiss: Nicht „Entweder-oder“ sondern „Entweder-und-oder“: Beide Standorte bleiben erhalten.

          Der Umzug aus der ehemaligen Nazi-Liegenschaft in Pullach bei München sollte 2013 stattfinden. Als der Beschluss im Jahr 2003 fiel, war man noch von einem Gesamtumzug ausgegangen. Nun werden - der damalige Kanzleramtsminister de Maizière (CDU) hatte das der CSU zugestehen müssen - doch tausend Mitarbeiter in Bayern verbleiben. Die riesige Alt-Liegenschaft, die mit 65 Hektar und etwa sechzig Gebäuden inmitten einer sehr gefragten Wohngegend liegt, wird nicht etwa aufgeteilt und verkauft, sondern umgerüstet zum „Technischen Aufklärungszentrum“.

          Beim Neubau in Berlin ist nicht der Bundesnachrichtendienst selbst Bauträger und Bauführender, sondern die „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“ (Bima) sowie das „Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Der BND wird nur Mieter sein. Die bundeseigenen Verwaltungskomplexe haben mehrere Architektenbüros und Dutzende Einzelfirmen mit dem Bau beauftragt. Begleitet wird das Vorhaben nicht nur von einzigartigen Kosten, sondern auch von extremen Sicherheitsvorkehrungen, die von der kameragestützten Raumüberwachung auf und über der Baustelle und drumherum bis zur Einzelüberwachung der Bauarbeiter reicht.

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