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BND-Chef Gerhard Schindler : „Das Regime Assad wird nicht überleben“

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Die Krisenherde ändern sich, aber Al Qaida bleibt. Wie schätzen Sie die Lage in Mali ein?

In Nord-Mali haben inzwischen die Islamisten die Oberhand. Dazu gehört auch Al Qaida im Maghreb, ein Teil der Terrororganisation, der dort schon lange aktiv ist. Die Scharia ist eingeführt mit allen Konsequenzen bis hin zu Strafen wie Steinigungen oder Handabhacken. Die neuen Machthaber in Nord-Mali rechnen damit, dass sie bekämpft werden, und sie bereiten sich darauf vor.

Wie viele bewaffnete Kräfte gibt es dort?

Der harte Kern der Kämpfer in Nord-Mali besteht in etwa aus 2000 Mann.

Wie kritisch ist die Lage?

Für Mali selbst, aber auch für die umliegende Region ist die Lage gefährlich. Mali wird zum Rückzugs- und Ausbildungsraum für islamistische Kämpfer.

Könnten von Mali aus Anschläge in der westlichen Welt geplant werden?

Zurzeit haben wir keinerlei Hinweise, dass in Mali Anschläge auf Ziele in Deutschland, in anderen Ländern Europas oder überhaupt in der westlichen Welt geplant werden. Dennoch zieht eine solche Region immer junge Menschen an, die dort aus ideologischen Gründen hingehen, um sich im Terrorhandwerk ausbilden zu lassen, wie wir es im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan erleben.

„Das Regime Assad wird nicht überleben“

Ein anderes Krisengebiet ist Syrien. Ist ein Ende des Bürgerkriegs in Sicht?

Zurzeit können beide Parteien in diesem Konflikt, das Regime und der bewaffnete Widerstand, keine entscheidenden Fortschritte erzielen. Dennoch verliert das Regime Assad immer mehr die Kontrolle über Teile des Landes. Es mehren sich die Anzeichen, dass das Regime in Damaskus sich in seiner Endphase befindet. Die Folge ist eine Wagenburgmentalität. Assad und seine Leute konzentrieren sich vorrangig auf einzelne Gebiete, die sie zu halten versuchen. Das sind vor allem die Hauptstadt Damaskus, aber auch militärische Einrichtungen wie Kasernen und Flugplätze. Das Regime scheut inzwischen den direkten Kampf, weil es Verwundete, Tote und Fahnenflüchtige gibt. Deswegen führt Assad den Kampf zunehmend aus der Luft. Bei den Gruppen des bewaffneten Widerstands wird gleichzeitig die Koordinierung immer besser. Das macht den Kampf gegen Assad effektiver.

Wie lange wird sich das Regime noch halten können?

Das kann man nicht sagen. Aber: Das Regime Assad wird nicht überleben.

Gibt es Anzeichen dafür, dass die Endzeitstimmung das Regime Assad schon erfasst hat?

Nein. Das Regime glaubt noch daran, dass es den Kampf gewinnen kann.

Welche Verbindung sehen Sie zwischen dem Bürgerkrieg in Syrien und dem gerade wieder eskalierenden Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern?

Wenn man sich anschaut, wie dieser Konflikt im Gazastreifen entstanden ist, nämlich an der Grenze, dann spricht das eher dagegen, dass dieser konkrete Konflikt gesteuert wurde.

Sie sind jetzt fast ein Jahr im Dienst als BND-Chef. Ist das eigentlich ein Traumjob?

Ich empfinde es als Traumjob. Den Auslandsnachrichtendienst der Bundesrepublik Deutschland leiten zu dürfen ist die faszinierendste Aufgabe, die ich mir je hätte vorstellen können.

Sie haben mehrfach kritisiert, dass der BND zu bürokratisch sei.

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