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„Blutdiamanten“-Prozess gegen Charles Taylor : Schlussplädoyer der Staatsanwaltschaft

  • Aktualisiert am

Charles Taylor vor Prozessbeginn am Dienstag in Leidschendam Bild: dapd

Die Staatsanwaltschaft hat im sogenannten Blutdiamanten-Prozess die Verurteilung von Liberias ehemaligen Präsidenten Charles Taylor als Kriegsverbrecher gefordert. Er sei als Hauptprofiteur des Bürgerkrieges in Sierra Leone in allen Punkten der Anklage schuldig, hieß es im Schlussplädoyer.

          Im sogenannten Blutdiamanten-Prozess hat die Staatsanwaltschaft die Verurteilung von Liberias Ex-Präsidenten Charles Taylor als Kriegsverbrecher gefordert. Der 62-Jährige sei als Hauptprofiteur des Bürgerkrieges im Nachbarland Sierra Leone in allen elf Punkten der Anklage schuldig, erklärte Staatsanwältin Brenda Hollis am Dienstag in ihrem Schlussplädoyer. Taylor ist der erste ehemalige afrikanische Staatschef, der wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor einem internationalen Gerichtshof zur Verantwortung gezogen wird.

          Hollis warf Taylor abermals vor, blutrünstige Rebellen in Sierra Leone „erschaffen und kontrolliert“ zu haben. Für Waffenlieferungen habe er sich von den Mörderbanden der Revolutionären Vereinigten Front (RUF) mit geraubten Rohdiamanten bezahlen lassen. „Charles Taylor trägt die größte Verantwortung für die furchtbaren Verbrechen, die dort begangen wurden“, sagte die Juristin aus den Vereinigten Staaten vor dem Sondertribunal für Sierra Leone (SCSL) in Leidschendam bei Den Haag.

          „Unschuldige Menschen wurden wie Vieh behandelt“, sagte Hollis, während der wie immer elegant gekleidete Angeklagte scheinbar regungslos zuhörte. Mit Taylors Billigung habe die RUF Dorfbewohner terrorisiert, unzähligen Menschen Gliedmaßen abgehackt, junge Mädchen zu Sexsklavinnen gemacht und Teenager zwangsweise und mit Hilfe von Drogen als Kämpfer eingesetzt. Dem Bürgerkrieg in Sierra Leone waren nach UN-Schätzungen bis Ende 2001 mehr als 250.000 Menschen zum Opfer gefallen. Taylor hat in dem Verfahren, das im April 2006 eröffnet worden war, die Anklage als „Sammlung teuflischer Lügen“ bezeichnet.

          Am Mittwoch hält Taylors Anwalt das Schlussplädoyer

          Der ehemalige Präsident wies auch Angaben zurück, wonach er dem britischen Supermodel Naomi Campbell Rohdiamanten geschenkt haben soll. Campbell hatte im vergangenen Sommer bei einem stark beachteten Auftritt vor dem Tribunal erklärt, ihr sei 1997 nach einem Gala-Dinner in Kapstadt von einem Boten ein Päckchen mit Rohdiamanten übergeben worden. Sie könne aber nicht mit Sicherheit sagen, ob es der damalige Präsident Liberias geschickt habe. An diesem Mittwoch bekommt Taylors Anwalt Courtenay Griffiths das Wort für das Schlussplädoyer der Verteidigung. Zu Beginn der Verhandlung am Dienstag sorgte der britische Jurist für einen Eklat, indem er wutschnaubend den Gerichtssaal verließ.

          Grund war die Weigerung der Vorsitzenden Richterin Teresa Doherty aus Nord-Irland, eine von der Verteidigung angefertigte Analyse des Prozessverlaufs seit 2006 als offizielles Dokument zu akzeptieren. Die Beweisaufnahme sei geschlossen, erklärte die Richterin zur Begründung. Griffiths wollte mit der Analyse nach eigenen Worten beweisen, dass die Vereinigten Staaten und Großbritannien versucht hätten, den Prozess zu beeinflussen. Washington und London wollten eine Verurteilung Taylors erreichen, damit er nicht nach Liberia zurückkommen könne, erklärte der Anwalt. Mit der Verkündung eines Urteils wird im Sommer gerechnet. Taylor war 1997 nach einem jahrelangen Bürgerkrieg in Liberia Präsident geworden. 2003 wurde er von Rebellen in die Flucht getrieben. Nach drei Jahren im Exil lieferte ihn die Regierung Nigerias an das Sondergericht für Sierra Leone aus.

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