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Blockupy : Blockieren geht über Demonstrieren

  • -Aktualisiert am

Blockupy mal wieder: Die ersten „Aktivisten“ schlagen im Frankfurter Rebstockpark ihre Zelte auf Bild: Fricke, Helmut

In Frankfurt wollen Antikapitalisten vom Freitag an wieder gegen Verarmung, Euro-Krise, Asylpolitik, Ausbeutung und sonstige Missstände auf Erden demonstrieren. Die Polizei richtet sich auf Blockaden und Straßenschlachten ein.

          Die Mitte des Protests trifft sich im Grünen, am Rande Frankfurts, dort, wo die Bankentürme schon fast nicht mehr zu sehen sind. Es ist Donnerstagvormittag im Anticapitalista Camp, der Tag vor „dem Tag“. In kleinen Strömen trudeln nach und nach Aktivisten auf dem Zeltplatz ein, mit Rucksäcken, die aussehen, als seien sie für eine Nordpolexpedition gepackt. „Das ist eine Stimmung wie Ferienkommunismus mit Dixiklo“, sagt einer und alles lacht.

          Von diesem Freitag an soll Frankfurt einen gewaltigen Kapitalismusprotest erleben. Im vergangenen Jahr kamen schon Tausende, um die Bankenstadt „zu fluten“ und Kreditinstitute lahmzulegen. Damals hatte die Stadt sämtliche Protestveranstaltungen verboten, was die Demonstranten jedoch nicht davon abhielt, durch die Straßen zu ziehen und ihren Unmut über die Krisenpolitik der Europäischen Union zu zeigen.

          Schutzzone um die Europäische Zentralbank

          Dieses Jahr soll der Protest des sogenannten Blockupy-Bündnisses noch größer werden. „Wir sind das Wendland des Kapitalismus“, lautet die Maxime. Womit gemeint ist, dass die Aktivisten wie ihre Mitstreiter aus dem Lager der Atomkraftgegner alles daran setzen werden, über Stunden hinweg Blockaden aufrechtzuerhalten, die letztlich nur von schweren Polizeikräften zu durchbrechen sind. Und auch, dass „Blockupy“ fortan jedes Jahr wiederkommen will.

          „Wir wollen stören. So einfach ist das.“

          Im Anticapitalista Camp, wo sich bis zum Abend rund 20000 Aktivisten versammeln sollen, ist es kein Geheimnis, was die Stadt in den nächsten Tagen erwartet. Schon seit Wochen werden Meldungen über das Internet verbreitet, dass der „Feind“, der Kapitalismus, angegriffen werden soll. Und das in Form von EZB, Flughafen und Einzelhandel. Die Interventionistische Linke, eine vom Verfassungsschutz beobachtete Bewegung, spricht davon, „organisierter Teil von Gegenmacht sein zu wollen, die den Kapitalismus überwindet und den Kommunismus möglich macht“. Blockupy sei „ein guter Ort, um in der Aktion Mitstreiter und Genossen zu treffen, die den Kapitalismus überwinden“ wollen. Im Camp selbst klingt das an diesem Donnerstagmittag weniger bürokratisch: „Wir wollen stören. So einfach ist das.“

          Wie genau diese „Störungen“ aussehen werden, weiß selbst nur ein kleiner Kreis der Organisatoren. Die Szenarien, die in den Lageberichten der Sicherheitsbehörden auftauchen, reichen von friedlichen Protesten bis hin zu Ausschreitungen seitens „aktionsorientiertem Klientel“ mit schweren Sachbeschädigungen, wie das im März 2012 bei der sogenannten „M31“-Demonstration der Fall war. Die Tatsache, dass die diesjährigen Blockupy-Proteste innerhalb der extremistischen linken Szene unter „31M“ laufen, lässt die Behörden zumindest aufhorchen.

          Neue, alte Wege des Protests

          Auf der anderen Seite geben sich die Organisatoren von „Blockupy II“, zu denen neben autonomen Gruppierungen wie dem bundesweiten „Ums Ganze“-Bündnis auch die Linkspartei und Attac zählen, aber weitaus weniger martialisch als im vergangenen Jahr. Sie werben in ihren „Mobilisierungsvideos“ nicht mehr mit Bildern von Straßenschlachten, sondern konzentrieren sich auf Vermittlung der Inhalte - was die Sicherheitsbehörden zumindest bei den extremistischen Gruppen, die sich im Blockupy-Bündnis formieren, auch als Taktik werten.

          So deckt das Themenspektrum diesmal weit mehr ab als nur den Protest gegen die so genannte Verarmungspolitik, die die Euro-Krise heraufbeschworen haben soll. Demonstriert wird auch gegen die deutsche Asylpolitik und „ausbeuterische Arbeitsbedingungen“ in der Textilindustrie. Die Aktivisten wollen nach ihrem Protest vor der EZB weiter zum Flughafen und auf die Frankfurter Haupteinkaufsstraße, die Zeil, ziehen. Die Aufrufe dazu klingen eindeutig. Man wolle den Betriebsablauf stören - mit Blockaden und „anderen kreativen Aktionen“. Das sei der „neue Weg“ des Protests.

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