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Bistum Limburg : Dem Glauben Gestalt geben

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Gut fünf Jahre ist Franz-Peter Tebartz-van Elst Bischof in Limburg. In dieser Zeit hat er Laien wie Geistliche des Bistums gegen sich aufgebracht. Die Öffentlichkeit fragt, was der Mann treibt - und der Staatsanwalt fragt, ob er die Wahrheit sagt.

          Kalt ist es am Ostersonntag, so kalt, dass es die wenigen Zaungäste, die sich in der Abenddämmerung vor den Limburger Dom verirrt haben, schon beim Anblick des windumtosten Platzes fröstelt. Auch das Schauspiel, das sich ihnen wenige Minuten vor fünf Uhr bietet, ist nicht geeignet, die Herzen zu wärmen. Wie von Geisterhand geführt schreitet eine Phalanx von Ministranten und Geistlichen schweigend um den Dom, um kurze Zeit später in dem Gebäude zu verschwinden. „Großer Einzug“ hatte der Mann, der das Ende der Prozession bildet, seinem verschreckten Domkapitel kurz und bündig befohlen. In Rom wird abgerüstet, in Limburg aufgerüstet. Die Kälte kriecht durch Mark und Bein.

          Doch ehe die Kathedrale die Prozession verschluckt und die sogenannte Pontifikalvesper ihren Lauf nimmt, fällt der Blick der Prälaten unwillkürlich auf die Alte Vikarie, ein hoch aufragendes Fachwerkhaus, das den Fluchtpunkt am anderen Ende des Domplatzes bildet. Dort und nirgendwo anders, so hatte es das Domkapitel schon vor dem Abschied des Bischofs Franz Kamphaus überlegt, sollte dessen Nachfolger wohnen und arbeiten. Denn bei aller Hochachtung vor dem charismatischen Münsterländer Kamphaus, der seit 1983 an der Spitze des Bistums stand, der Papst Johannes Paul II. länger als alle anderen deutschen Bischöfe im Kampf gegen den Ausstieg aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung die Stirn geboten hatte und dennoch erst im Alter von 75 Jahren seinen Rücktritt anbieten musste: Gleich, wer der neue Bischof sein würde, keiner sollte mehr wie Kamphaus in den Räumen des Priesterseminars wohnen und keiner sein Tagewerk wie eine Spinne im Netz der „Ordinariat“ genannten Bistumsverwaltung verrichten. Ungetrennt, aber unvermischt - so sollten Bischof und Bistum fortan eine spannungsvolle Einheit bilden.

          Jetzt, fünf Jahre später, ist von Einheit nichts zu spüren. Von Spannungen umso mehr. Noch immer gähnen die Fensterhöhlen des denkmalgeschützten Fachwerkhauses wie schwarze Löcher, noch nehmen große Planen die Sicht auf das neue Ensemble. Um Jahre hat sich die Fertigstellung der Alten Vikarie und der dahinterliegenden Gebäude verzögert. Das hat mit dem maroden Fachwerk und der aufwendigen Sanierung der mittelalterlichen Stadtmauer zu tun, die einen Teil des Grundstücks säumt. Für ausgedehnte Kellergewölbe mussten Tonnen Gestein aus dem Fels gebrochen werden. Auch ist die neue, steil aufragende Kapelle, die, schwarz verkleidet, fast wie die Kaaba von Mekka einen dumpfen Kontrast zu der farblichen Pracht des Domes bilden soll, ein ausgefallenes und aufwendiges Bauprojekt. Mitverantwortlich für die Verzögerung ist jedoch auch, dass auf Geheiß des Bischofs Grundrisse mehrfach verändert wurden und bereits Fertiggestelltes eingerissen werden musste.

          “Der Hirte muss den Geruch seiner Schafe haben“, so hatte es der neue Papst Franziskus in Rom den Bischöfen und Kardinälen zu Beginn der Karwoche eingeschärft. In Limburg riecht es eher nach feinstem Leder. Eine schwarze, blankgewienerte Limousine steht vor dem Eingang der Bischofsresidenz, ein braungebrannter Mittfünfziger mit reichlich Gel im Haar weicht dem Bischof nicht von der Seite. In der Kathedrale nimmt der Qualm gleich aus zwei Weihrauchfässern den Gläubigen buchstäblich den Atem.

          Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich verändert, seit er nach seiner Wahl durch das Domkapitel im Herbst 2007 das Amt eines Weihbischofs im Bistum Münster gegen das des Bischofs von Limburg eintauschte. Das dennoch immer noch jungenhaft wirkende Gesicht ist noch knochiger geworden, die weit aufgerissenen Augen unter der gefurchten Stirn sind noch größer und die Gestalt noch hagerer. Von Beginn an tat sich der 1959 geborene Spross einer Großbauern-Dynastie aus der Nähe des niederrheinischen Wallfahrstortes Kevelaer in dem ihm gänzlich unbekannten Landstrich zwischen Lahn und Main nicht leicht, zumal der im Mai dieses Jahres verstorbene Münsteraner Bischof Reinhard Lettmann an ihm einen Narren gefressen und ihn gerne als seinen Nachfolger in Münster gesehen hätte. In Limburg machte sich manch einer einen Spaß daraus, den Fremden seine Fremdheit spüren zu lassen.

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