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Bistum Limburg : Cave canem

Ein Stahltor sichert den Eingangsbereich zum Diözesane Zentrum. Bild: Rosenkranz, Henner

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat Kummer mit der Justiz und Journalisten. Es geht um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, eine falsche eidesstattliche Versicherung und die Millionen-Kosten bei Umbau seiner Residenz. Ein Bericht vom Limburger Domberg.

          Der Bischof von Limburg hat Kummer mit der Justiz. Er wollte dem „Spiegel“ anwaltlich verbieten lassen, zu schreiben: „Herr Bischof Dr. Tebartz-von Elst ist erste Klasse mit dem Flugzeug nach Indien geflogen.“

          Volker Zastrow

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch der Bischof war erster Klasse geflogen, auf einem der acht Luxusplätze im Oberdeck des Jumbojets, hin und zurück. Gebucht war Businessklasse; das Upgrade hatte Generalvikar Prof. Dr. Dr. Franz Kaspar dem Bischof spendiert. Das erfolgte, so schrieben die Anwälte des Bischofs, „rein privat“, indem der Generalvikar „private Meilen für das Upgrade verwandte und verbleibende Meilen dem Bischof schenkte, beziehungsweise aus eigener Tasche noch eine geringfügige Zuzahlung leistete“.

          Kaspar gilt als vermögend. Im Umfeld des Bischofs glaubt man, wie dieser selbst stamme auch sein Generalvikar aus einer wohlhabenden Familie. Das Upgrade soll als privates Geschenk des Verwaltungschefs an seinen Dienstherrn begriffen werden. Auf der „Miles & More“-Karte des Vielfliegers Kaspar haben sich im Lauf der Jahre über zwei Millionen Bonusmeilen angesammelt. Ob sie durch private oder dienstliche Flüge entstanden sind, hat uns der Generalvikar nicht beantwortet. Auch früher, in seiner Zeit als Direktor einer kirchlichen Behinderteneinrichtung, des Sankt Vincenzstifts, flog Kaspar schon nach Indien - die Kosten übernahm die Stiftung. Was ist nun mit den Meilen, die sich aus solchen Flügen angesammelt haben? Sind es „private Meilen“?

          „Ein Drama in fünf Akten“

          Der Bischof vertritt im Gespräch mit seinen Beratern unbeirrbar die Auffassung, da er Businessklasse bezahlt habe, sei er nicht erster Klasse geflogen - unbeschadet der Tatsache, dass sein sterblicher Leib sich auf besagten Flügen nun einmal in der ersten Klasse befand. In solchen und ähnlichen, zunehmend heiklen Angelegenheiten hat sich der Bischof wohlmeinenden Ratschlägen unzugänglich erwiesen. Das ist sicher auch der Grund dafür, dass der als Kommunikationsberater, sprich: Feuerwehrmann, im Spätsommer 2012 nach Limburg gerufene Dirk Metz - vormals Roland Kochs Regierungssprecher - schon nach wenigen Wochen um Vertragsauflösung gebeten hat. Das Bistum hat uns mitgeteilt, die Zusammenarbeit sei „von Anfang an zeitlich begrenzt gewesen“.

          Ein Bischof, der sich gutem Rat geöffnet hätte, wäre wohl auch nicht darauf verfallen, dem „Spiegel“-Journalisten im zweiten Schritt gerichtlich verbieten zu wollen, darüber zu berichten, wie der Bischof ihn durch irreführende Stellungnahmen zunächst hereingelegt hatte. Dazu versicherte Tebartz-van Elst an Eides statt: „Es trifft auf keinen Fall zu, dass ich die Antwort gegeben hätte, dass ich nicht erster Klasse geflogen sei.“

          Der Reporter allerdings hatte das Gespräch aufgezeichnet. Jeder kann das Video im Netz betrachten („Bischof von Limburg: Ein Drama in fünf Akten“). Dort antwortet der Bischof auf den Vorhalt, er sei erster Klasse geflogen: „Nein.“ Weiter nahm der Bischof auf seinen Eid: „Es gab auch keine erneute Rückfrage des Redakteurs mit dem Vorhalt ,Aber Sie sind doch erster Klasse geflogen‘. Ich habe auch nicht auf einen solchen Vorhalt die Antwort gegeben ,Businessklasse sind wir geflogen.‘“ Handschriftlich unterzeichnet mit Kreuz-Signatur. Im Video hört man den Reporter sagen: „Aber erster Klasse sind Sie geflogen.“ Der Bischof antwortet: „Businessclass sind wir geflogen.“

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