https://www.faz.net/-gpf-82s10

Bistum Limburg : Bischofssitz sorgt für Verluste

Zu teuer: das „Haus der Bischöfe“ im Bistum Limburg Bild: dpa

Das für den früheren Bischof Tebartz-van-Elst errichtete „Haus der Bischöfe“ im Bistum Limburg hat mehr gekostet, als es wert ist. Die Differenz ist auf schwere Versäumnisse bei der Planung sowie überhöhte Nebenkosten beim Bau zurückzuführen.

          1 Min.

          Das nach Maßgaben des vormaligen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst errichtete „Haus der Bischöfe“ ist 24,1 Millionen Euro wert. Die Herstellungskosten des aus drei Gebäuden bestehenden Ensembles betrugen demgegenüber 28,5 Millionen Euro, sagte der Finanzdezernent des Bistums, Gordon Sobbek, am Mittwoch anlässlich der Vorstellung der Jahresbilanzen 2012 und 2013 des Bischöflichen Stuhles und damit jenes Rechtsträgers, dem das Haus der Bischöfe zugeordnet ist.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Die Differenz von 4,4 Millionen Euro zwischen Herstellungskosten und dem nach Vorgaben des Handelsgesetzbuchs ermittelten Buchwerts entfällt nach Sobbeks Worten im Wesentlichen auf außerplanmäßige Abschreibungen von Kosten für nicht realisierte Um-, Rück- und Wiederaufbauten, für nicht realisierte Planungsentwürfe sowie auf überhöhte Nebenkosten der ausgeführten Planung. Sollte das Bistum aufgrund von ungerechtfertigten Abrechnungen zu hohe Zahlungen geleistet haben, werde das Bistum diese zurückfordern.

          Schwere Versäumnisse

          Grundlage der Bewertung der Immobilie war nach Angaben Sobbeks die Frage, ob den Herstellungskosten ein „substantieller Wert“ gegenüberstehe. Als Maßstab habe die Überlegung gedient, „wie hoch die Kosten des Bischofshauses unter normalen Bedingungen gewesen wären“. Erwägungen, ob es dieser Gebäude überhaupt bedurft und die Finanzierung den Normen des Kirchenrechts genügt hatte, sind ebenso wenig Teil der handelsrechtlichen Bewertung der Immobilie wie die Frage nach der Verantwortung für die Abschreibungen, die in den Jahresbilanzen 2012 und 2013 zu Verlusten geführt haben.

          Im Februar vergangenen Jahres hatte eine Kommission der Deutschen Bischofskonferenz schwere Versäumnisse auf Seiten des Bischofs als Bauherrn und seiner Vertrauten in der Bistumsleitung und -verwaltung festgestellt. So habe es „kein Anforderungsprofil mit Vorgaben hinsichtlich Flächenbedarf, Raum- und Funktionsprogramm und/oder Kostenschätzung“ gegeben. Erinnert wurde auch daran, dass Tebartz-van Elst am 28. Juni 2013 der Öffentlichkeit aus Anlass der Fertigstellung der Ensembles wider besseres Wissen vorgegaukelt hatte, die Herstellungskosten beliefen sich auf 9,85 Millionen Euro. Unter dem Eindruck des Prüfberichts nahm Papst Franziskus am 26. März 2014 den Amtsverzicht des Limburger Bischofs an.

          Weitere Themen

          EU besteht auf Einhaltung des Vertrages Video-Seite öffnen

          Vakzin-Streit mit Astrazeneca : EU besteht auf Einhaltung des Vertrages

          Die EU besteht im Streit mit dem Pharma-Unternehmen Astrazeneca darauf, mit Impfstoff auch aus britischen Werken beliefert zu werden. Nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ können beim Metzger um die Ecke, aber nicht bei dieser Vereinbarung gelten, sagte EU-Kommissarin Stella Kyriakides.

          Topmeldungen

          Corona-Teststation auf der Insel Ibiza

          Neues Corona-Medikament : Die Herbstzeitlose gibt Hoffnung

          In einer großen Covid-19-Studie soll der Pflanzenwirkstoff Colchicin überzeugt haben. Mit ihm wäre ein leicht verfügbares und preiswertes Mittel im Kampf gegen die schweren Krankheitsverläufe gefunden.

          Vendée Globe : Herrmann kollidiert mit Fischerboot – Dalin als Erster im Ziel

          Bei der härtesten Segelregatta der Welt überfährt Charlie Dalin als Erster die Ziellinie. Und dennoch ist der Franzose wohl nicht Sieger der Vendée Globe. Boris Herrmann entgeht auf der Jagd nach dem Podium nur knapp einer Katastrophe.

          Kulturkampf von oben : Frankreich streitet über seine Karikaturisten

          Vor einer Woche führte ein Dialog zweier Pinguine zum Shitstorm bei „Le Monde“. Jetzt zeichnen Frankreichs Karikaturisten auffällig brav. Zugleich bezichtigt ein Medienkritiker die Zunft des Kulturkampfs gegen Minderheiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.