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Bislang elfte Kundgebung : 18.000 Islamfeinde marschieren in Dresden

  • Aktualisiert am

Pegida-Demonstranten in Dresden Bild: Reuters

Kanzlerin Merkel hat davor gewarnt, sich der Pegida-Bewegung anzuschließen. Dennoch sind in der sächsischen Landeshauptstadt wieder Tausende gegen die angebliche „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße gegangen.

          Trotz bundesweiter Gegenproteste und ungemütlichen Nieselregens hat das islamkritische Pegida-Bündnis in Dresden weiter Zulauf. Nach Angaben der Polizei demonstrierten am Montagabend in der sächsischen Landeshauptstadt rund 18.000 Menschen gegen eine angebliche „Überfremdung“ des Landes durch Ausländer.

          Es war die elfte und bislang größte Kundgebung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Zuletzt waren am 22. Dezember 17 500 Menschen dem Aufruf gefolgt. An verschiedenen Gegendemonstrationen nahmen in Dresden am Montagabend nach ersten Schätzungen bis zu 5000 Menschen teil. Die Polizei war mit weit über 1000 Beamten im Einsatz. Zwischenfälle wurden zunächst nicht bekannt.

          Auf Transparenten der Pegida-Anhänger waren Slogans wie „Sachsen bleibt deutsch“ und „Merkel muss weg“ zu lesen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Neujahrsansprache dazu aufgerufen, sich den Demonstrationen nicht anzuschließen.

          Erstmals fand die Pegida-Auftaktkundgebung auf der Cockerwiese am Rande des Stadtzentrums statt, was den Unmut vieler Anhänger erregte. Zuvor waren die Veranstaltungen in der Altstadt abgehalten worden. Als einige Demonstranten am Montagabend versuchten, ins Zentrum zu ziehen, wurden sie von der Polizei daran gehindert.

          „Ich bin mir sicher: 90 Prozent der Pegida-Demonstranten kommen nicht wegen der Islamisierung des Abendlandes zur Demo“, sagte ein Mann Anfang 40, der eigens aus Chemnitz zu der Demonstration angereist war. Als Antrieb sieht er vielmehr diverse Missstände.

          Pfiffe für Ministerpräsident Tillich

          „Ich bin 1989 nicht auf die Straße gegangen, damit die DDR ein Einwanderungsland wird“, sagte der Chemnitzer, der nach eigener Behauptung mit seiner Familie bereits mehrfach Opfer krimineller Ausländer geworden ist.

          Die Pegida-Organisatoren stellten die „Islamisierung des Abendlandes“ bereits als Tatsache dar. Völlig unsortiert und aus dem Zusammenhang gerissen, wurden in Deutschland Zustände beschrieben, bei denen etwa deutsche Schulkinder mit Rücksicht auf Muslime kein Schweinefleisch mehr essen dürften.

          Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) ist besorgt, dass sich die Tonlage in der Debatte verändert. Auf Facebook und anderswo gebe es durchaus Töne unterhalb der Gürtellinie. „Wenn man miteinander in Dialog treten will, muss man sachlich und vernünftig miteinander reden“, sagt sie.

          Das dürfte noch ein schweres Stück Arbeit sein. Als die Pegida-Organisatoren den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) zu einer Rede auf einer nächsten Kundgebungen einluden, wurde das von der Menge mit einem Pfeifkonzert quittiert.

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